Die Lira fällt unkontrolliert, was können die türkischen Währungshüter tun?

London Capital Group: Seitdem die türkische Lira 2015 ihre Talsohle erreicht hat, wurde sie gegenüber dem Euro schwächer und die steigende Inflation sowie Bedenken hinsichtlich der Finanzierung der Leistungsbilanz des Landes haben die Schwäche beschleunigt.Die Zentralbank hatte über Nacht eine Notfallzinserhöhung angekündigt, um die Anleger wieder zurück in die Türkei zu holen und im Rahmen dieser Aktion die Kreditkosten um 3% auf 16,5% angehoben und gehofft, so die Anleger anziehen zu können.

Die Notfallzinserhöhung wurde anfänglich positiv aufgenommen, aber Kommentare des türkischen Präsidenten generierten eine durchwachsene Botschaft, die zu einem weiteren Abverkaufder türkischen Lira geführt hat.

Wie steigt man in eine mögliche Währungskrise der Türkei ein?
Die türkische Lira hat gegenüber dem Euro seit Anfang 2018 fast 25% verloren.Die Beschleunigung der negativen Stimmung zeigt sich schon seit Jahren, hat aber nun Krisenniveau erreicht.Vor der globalen Finanzkrise flossen Gelder in die Türkei, da die Kreditsorgen nachließen, und das Wachstum ging 2016 auf 7,4%.Der Anstieg des BIPs ging Einhand mit einer steigenden Inflation, die es für die Verbraucher schwer gemacht hat, die Alltagsgüter zu kaufen.

Von Anfang 2016 bis Ende 2017 ist die türkische Lira gegenüber dem Euro um mehr als 33% gefallen, was Bedenken hinsichtlich der steigenden Inflation widerspiegelt.In der Vergangenheit hatte die Zentralbank die Zinsen angehoben, um die Inflation zu dämpfen, was das Wachstum und die Ausgaben senkt.Als klar wurde, dass die USA mit dem Normalisierungsprozess beginnen und die Zinsen anheben würden, stiegen die Bedenken, dass der stark verschuldete türkische Unternehmenssektor unter Beschuss geraten würde.Die Türkei hat Schulden in Höhe von 295 Mrd. in ausländischer Währung und die Lira fällt mit steigenden Finanzierungskosten.

Warum ist die Taktik der Zentralbank nicht aufgegangen?
Im Allgemeinen ist den Märkten klar, dass das Land unter Druck steht, wenn die Zentralbank die Zinsen im Rahmen einer Notfallsitzung anhebt.Eine Zinserhöhung macht es schmerzhaft, Lira-Short-Positionen zu haben, vor allem gegenüber dem Euro, wo die Tagesgeldzinsen negativ sind.Das Problem stammt von Kommentaren von Präsident Recep Tayyip Erdogan, der sich vehement geweigert hatte, die Zinsen anzuheben.Erdogan scheint eine neue Art von Wirtschaft studiert zu haben, wo höhere Zinsen zu einer erhöhten Inflation führen, statt diese zu dämpfen.

Indem der Präsident versuchte, zu sagen, dass die Türkei nicht in der Krise steckt, führt der Präsident die Anleger entlang eines unsicheren Pfades.Der deutliche Rückgang der Lira wird wohl zu einer steigenden Inflation führen, da die schwache türkische Währung Importe viel teurer macht.

Mit einer Inflation in der Türkei bei 11% möchte Erdogan das Problem sofort nach den Wahlen in Angriff nehmen, die für den 24. Juni 2018 angesetzt sind.Der Präsident möchte zudem die Probleme senken, denen sich die Türkei mit der steigenden Leistungsbilanz ausgesetzt sieht, die dramatisch gestiegen ist, was die Türkei von Kapital aus dem Ausland abhängig macht.

 


 


Was kann man tun, um den Rückgang der türkischen Lire umzukehren?

Das größte Problem, vor dem die Türkei steht, ist, dass die Behörden sich nicht einig sind.Viele glauben nicht, dass die Autonomie der Zentralbank nach den vorgezogenen Wahlen weiter Bestand haben wird.Eine klare Nachricht an die Anleger, dass die türkische Zentralbank unabhängig ist, würde deutlich dazu beitragen, die Märkte zu beruhigen.

Zudem werden weitere Zinserhöhungen kurzfristige Anleger ebenfalls davon abschrecken, die Lira weiter zu verkaufen.Zinsen über 20% könnten es für die Anleger sehr schwer machen, weiter zu versuchen, Lira-Shortpositionen einzugehen, da die Kosten extremhoch wären.

Die Notfallzinserhöhung führte für die Lira zu einer Rallye um 50 Punkte, aber die Anleger waren nicht überzeugt, dass Erdogan mit an Bord ist, was zu weiteren Abverkäufen geführt und die Lira wieder zurück auf den Bereich um 5,6 gegenüber dem Euro gebracht hat.Weitere Zinserhöhungen und eine kohärente Botschaft sind die beste kurzfristige Lösung für die Türkei.Gelingt es, die Lira unter Kontrolle zu bringen, so kann man damit anfangen, die Zinsen und externen Finanzierungen zu senken, was möglicherweise zu einer stabilen Lira führt.

 

 

 

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