ETX Capital: Geht die Kurserholung weiter?

Der Ausverkauf an den Finanzmärkten fand Mitte der Woche ein Ende, nachdem sich das EZB-Ratsmitglied Nowotny in einem Interview mit Bloomberg über Optionen zur Bewältigung der Schuldenkrise äußerte. Die Marktteilnehmer an den Finanzmärkten deuteten die Aussagen des österreichischen Notenbankers Nowotny vom Dienstag als einen Hinweis auf eine künftige Banklizenz des ESM. Infolge kam es zu positiven Kursreaktionen an den Märkten. Die Ausstattung des ESM mit einer Banklizenz würde die Finanz- und somit die Schlagkraft des europäischen Rettungsfonds deutlich erhöhen, so die Meinung vieler Finanzexperten. Der ESM hätte dann die Möglichkeit Notenbankliquidität zu erhalten, indem er die aufgekauften Staatsanleihen der schuldengeplagten EU-Staaten als Sicherheit bei der EZB hinterlegt. Über diesen Mechanismus könnte der permanente Rettungsschirm die geplante Kapitalausstattung von 500 Milliarden Euro um ein Vielfaches hebeln.
 
Die Renditen 10-jähriger spanischer Staatsanleihen reagierten sofort auf die Nowotny-Aussagen und sanken das erste Mal wieder nach zehn Tagen des Anstiegs. Am Donnerstag äußerte sich dann auch EZB-Präsident Draghi. „Die EZB wird alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten“, hatte der Italiener in London gesagt. Im Rahmen des geldpolitischen Mandats sei die Notenbank bereit, alles Nötige zu tun. „Und glauben Sie mir – es wird ausreichen.“ Manche Experten lesen hier zwischen den Zeilen, dass Draghi erneute Aufkäufe von spanischen und italienischen Staatsanleihen durch die EZB durchführen könnte. Die Renditen spanischer Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren fielen im Laufe des Donnerstags wieder unter die kritische 7 Prozent Marke, nachdem diese Woche schon Renditen von über 7,5 Prozent aufgerufen wurden. Die Renditen 10-jähriger italienischer Bonds sanken am Donnerstag zeitweise sogar unter 6 Prozent. 
 

Aus fundamentaler Sicht stellt sich jedoch nach den Kursgewinnen des EUR/USD und des DAX30-Index die Frage, woher die Märkte in den nächsten Wochen weiteren Optimismus nehmen sollen? Der ifo-Geschäftsklimaindex in Deutschland trübt sich zu dritten Mal hintereinander ein und ist im Juli mit einem Stand von 103,3 stärker gefallen als erwartet. Die Berichtssaison europäischer Unternehmen zeigt bislang auf, dass mit dem Europa-Geschäft momentan kein Blumentopf zu gewinnen ist. Deutsche Unternehmen sind hier im Gegensatz zu ihren europäischen Konkurrenten jedoch oft besser aufgestellt. Der Anteil am Umsatz und Gewinn, den deutsche Unternehmen außerhalb Europas erwirtschaften, vor allem in Asien und Nordamerika, ist vergleichsweise hoch. Impulse für die Arbeitsmärkte der südeuropäischen Länder könnten von der Unternehmensseite aufgrund der Investitionsflaute kaum zu erwarten sein.
 
In Sachen ESM wird im September die Bekanntgabe des Urteils des Bundesverfassungsgerichts erwartet. Eine Zustimmung des BVG zum ESM könnte in den Kursen schon enthalten sein. Doch auch bei einer Zustimmung durch das BVG ist immer noch fraglich, ob der Rettungsschirm überhaupt ausreichend mit Kapital ausgestattet ist, um die Probleme in Spanien und Italien aufzufangen. Die Banklizenz für den ESM wäre eine Hilfe bei der Bewältigung der Schuldenproblematik in Europa, doch ist hier mit Widerstand im EZB-Rat und in Deutschland zu rechnen.
 
Die am Mittwoch gemeldeten Daten vom US-amerikanischen Immobilienmarkt waren ebenfalls schlecht und deuten auf eine Abkühlung der Konjunktur hin. Am Freitag werden noch US-BIP Daten gemeldet. Die Analystenschätzungen gehen für das zweite Quartal von einen Wachstum der US-Wirtschaft von 1,4 Prozent aus, nach zuvor 1,9 Prozent im ersten Quartal. Ein Wachstum von 1,4 Prozent sei jedoch zu schwach, so die Meinung vieler Wirtschaftsexperten, um die US-Arbeitslosenquote von 8,2 Prozent deutlich zu verringern. Bernanke ist nach eigenen Aussagen bereit zu reagieren, wenn sich die Situation weiter verschlechtert. Der offizielle Arbeitsmarktbericht steht nächste Woche Freitag auf der Agenda. Hier könnte sich zeigen, ob die Fed eher früher als später mit QE3 auf die Entwicklung in den USA reagiert.
 
Es scheint so, als das die Finanzmarktteilnehmer mit einer weiteren Runde expansiver Geldpolitik weltweit rechnen. So könnte die Kurserholung des stark überverkauften Euros und der ebenfalls aus technischer Sicht stark überverkauften Aktienindizes zu verstehen sein. Kurzfristig positiv für die Stimmung an den Finanzmärkten könnte die Erwartung der Marktteilnehmer auf Liquiditätsspritzen durch die wichtigsten Notenbanken sein. Das Aufwärtspotential im EUR/USD-Kurs könnte auf Sicht der nächsten Wochen jedoch sehr begrenzt sein.
 
Wie im Tageschart des EUR/USD-Kurses zu sehen verläuft eine charttechnische Widerstandszone zwischen den Marken von 1,24 US-Dollar und 1,23 US-Dollar. Sollte der Kurs des EUR/USD diese Hürde überspringen, dann wäre der Weg bis zur nächsten Widerstandszone, die zwischen 1,27 US-Dollar und 1,26 US-Dollar verläuft, vorerst frei. Ein kleiner „Short Squeeze“ im EUR/USD könnte dieses Szenario unterstützen. Die fundamentalen Daten sprechen jedoch gegen eine nachhaltige, mittelfristige Aufwärtsbewegung des Devisenpaares. Als Fazit könnte man ziehen, dass Kurse des EUR/USD bei einem Überschreiten der Marke von 1,24 USD genutzt werden könnten, um sich auf der Short-Seite aufzustellen. Sollte der Kurs des EUR/USD unter die Marke von 1,20 US-Dollar fallen, dann könnte über einen Momentum-Trade in Richtung des Abwärtstrends nachgedacht werden, der auf eine Beschleunigung der Abwärtsdynamik setzt.
 
Von Oliver Bossmann

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