Fed und Top-5 im Dienste der Bullen – BlackRock folgt der Fed

Bernstein Bank: Die Arbeitslosigkeit in den USA steigt unaufhaltsam weiter. Die Verkäufe neuer Häuser in den USA brechen so stark ein wie nie zuvor in einem März. In Europa stürzt der PMI drastisch ab. Ein Ende der Corona-Krise ist nicht in Sicht. Und dennoch halten sich die Kurse am Aktienmarkt erstaunlich robust. Vor allem der Glaube an die Fed stützt.

Und das verstärkte Investment in die Top-5-Aktien in den USA.

Diese enge Marktfixierung kann noch böse enden.

 

Zehn Jahre Aufschwung ausgelöscht
So schnell kann es gehen: Die Corona-Krise hat in den USA binnen weniger Wochen mehr Jobs vernichtet als in rund zehn Jahren des Booms entstanden sind. Nur in der vorigen Woche stellten 4,427 Millionen US-Amerikaner einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Damit liegt die Zahl der Anträge aus den vergangenen fünf Wochen bei 26 Millionen. Nach der Finanzkrise waren seit Herbst 2010 rund 22 Millionen Jobs aufgebaut worden. Die Federal Reserve ergänzte im Beige Book, die Wirtschaftsaktivitäten seien „scharf und abrupt in allen Regionen” eingebrochen. Und dennoch halten sich die Aktienkurse überraschend wacker.

Der wichtigste Faktor dafür:
Die Fed pumpt 2,3 Billionen Dollar in den Markt. Über Bonds, Banken und das generelle Versprechen, verschärfte Volatilität nicht zuzulassen, stützt sie den Markt. So sieht es überall in der Welt aus: Japan kündigte gerade ein unlimitiertes Quantitative Easing an und die Europäische Zentralbank teilte mit, sie werde auch Corporate Bonds von „Fallen Angels“ kaufen. Staatsstütze also überall.

Das Blog „Global Macro Monitor“ kommentierte für die USA, die Fed habe effektiv die Finanzmärkte verstaatlicht.

An der Wall Street säßen Kremlinologen, die versuchten, vorab herauszufinden, was das Politbüro kaufen werde.

 


 

BlackRock folgt der Fed
Tatsächlich teilte der Vermögensverwalter BlackRock, der rund 7 Billionen Dollar managed, jüngst mit, er werde alles tun, was die Fed tue. Konkret schrieb Rick Rieder, Leiter des Global Allocation Teams, er „will follow the Fed and other DM (Developed Markets – die Redaktion) central banks by purchasing what they’re purchasing, and assets that rhyme with those.“

BlackRock will auch „pick away at some sectors of the equity market that have had valuations destroyed beyond even worst-case scenarios such as healthcare, biotech, technology, defense, home builders, and others.“ Langfristig werde BlackRock seinen Cash-Bestand herunter fahren und werde „rotate down the credit spectrum, swapping investment-grade credit for higher quality high-yield or loans“, die auch die Fed kaufe.

 

Selbst die Fed könnte scheitern
Jüngst kommentierte die Rabobank analog, die Fed „carved central planning into the bedrock of the US financial system“. Ihre Käufe seien ein überall im Markt eingepreister Teil des Investments-Prozesses, oder dessen, was davon übrig ist. Mit dem zu Ostern beschlossenen Liquiditätsprogramm in Höhe von 2,3 Billionen Dollar stütze die Fed Banken, kleine Unternehmen, Bundesstaaten, Städte und Kommunen, sie kauft ETFs (Exchange Traded Funds – Indexfonds), in denen Junkbonds stecken. Leider werde selbst dieses Geld nicht reichen, falls eine zweite Corona-Welle in den USA einschlage.

Ganz zu schweigen von den eher geringen Konjunkturstützen in Europa oder China.

Hier hätten wir also schon den ersten Zweifel an der Allmacht der Fed.

 

„In Fed we trust“
“In Fed We Trust is all the buyers have“ twitterte entsprechend jüngst Jeffrey Edward Gundlach, amerikanischer Star-Investor und Gründer von DoubleLine Capital. Schon Anfang April warnte er vor einer neu aufkommenden Panik noch in diesem Monat. Das Gesamtvolumen der US-Konjunkturhilfen und der geldpolitischen Stützungsmaßnahmen dürfte 10 Billionen US-Dollar erreichen, erwartet Gundlach.

Die Arbeitslosenquote in den USA werde auf 10 Prozent anziehen, der US-Dollar mit der ausufernden Staatsverschuldung im Rücken an Wert einbüßen, urteilte er laut „InstitutionalMoney.com“ in einem Webcast.

 


 

Stütze durch die Top-5
Tatsächlich steht der aktuelle Aufschwung an der Börse auf einem schmalen Fundament. Der schon erwähnte „Global Macro Monitor“ sandte eine entsprechende Warnung aus: Zum Börsenschluss am vorigen Freitag hätten die Big Five – Microsoft, Amazon, Google, Apple, Facebook – zusammen rund 18 Prozent der Marktkapitalisierung gestellt, gemessen am Wilshire 5000. Siehe das Schaubild ganz unten. Viele Anleger hielten in der Breite noch aus, weil sie auf eine Kapitulation der Shorts warteten.

Dann zitierte das Blog einen Artikel des „Wall Street Journal“: Die Short-Wetten gegen den SPDR S&P 500 Trust, das ist der größte Indexfonds, der den breiten Markt abbildet, hätten in den vorigen Woche mit 68,1 Milliarden Dollar das höchste Niveau seit Januar 2016 erreicht, wie die Finanzanalysten von S3 Partners errechnet hätten. Anfang 2020 stand die Summe übrigens bei 41,7 Milliarden. Auch hier glauben also viele Anleger nicht, dass die Fed alles fixen kann oder will.
Unser Fazit aus alledem: Wenn die in den Top-5 investierten Investoren nach der Zwischenerholung Kasse machen, sieht es übel für den Markt aus. Wenn zudem die Corona-Krise nach einer Lockerung der Quarantäne im Westen wieder Fahrt aufnimmt, oder in China neue Herde ausbrechen, dann hätten wir einen weiteren Push-Faktor. Und wenn dann Zweifel an der Allmacht der Fed oder an ihrer Reaktionsschnelligkeit wie ein Lauffeuer über das Börsenparkett ziehen, dann erleben wir die nächste Baisse. Zumal der S&P 500 gerade an seiner 50-Tage-Linie angelangt ist, die als Widerstand wirken könnte.

Falls umgekehrt aber die Euphorie überschäumt, etwa weil ein wirksames Corona-Medikament entdeckt wird, dann sind all die hier geäußerten Zweifel Makulatur.

Dann werden wir eine nette Short-Squeeze erleben.

Und eine neue Marktbreite auf dem Weg nach oben.

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