Höhenflug der Industriemetalle

Bernstein BankMehrere Metalle haben gerade neue Zwischenhochs markiert. Die Rallye überrascht nicht, denn dies spiegelt die Hoffnung auf die Erholung der Weltwirtschaft nach dem Corona-Crash wider. Allerdings könnte teilweise das Ende der kleinen Party schon eingeleitet sein. Wir beleuchten, welches Metall wohl weiter glänzt – und welches nicht.

So viel vorweg: Der Favorit ist Platin.

Zwischenhochs überall

Aluminium hat gerade den höchsten Preis seit Anfang 2019 markiert. Kupfer ist so teuer wie seit 2013 nicht mehr. Eisenerz hat jüngst den höchsten Stand seit Januar 2016 erklommen, Stahl war so teuer wie zuletzt Ende 2018.

Der Preisanstieg ist kein Wunder, denn die Unmengen an Corona-Stimuli und Quantitative Easing sollen ja genau das bewirken: Billiggeld soll die Konjunktur ankurbeln. Also wird jetzt, da sich erfolgreiche Impfstoffe abzeichnen, schon kräftig geordert und gefertigt.

Und die von der (Währungs-)politik angeheizte Inflationierung der Währungen soll die Sparer dazu zwingen, stärker zu konsumieren, bevor das Vermögen an Wert verliert. Ergo tun Industrie und Investoren wie ihnen befohlen wurde: sie kaufen. Normalerweise ist der Jahresbeginn wegen des chinesischen Neujahrsfestes eher schwach für die Industriemetalle. Dieses Jahr jedoch greifen wegen Covid-19 Reisebeschränkungen, daher wird in vielen Fabriken weitergearbeitet.

 


 

Dennoch Skepsis

Doch vielleicht schlägt schon bald wieder die Stunde der Bären. So sieht die Investmentbank Julius Bär die Sache differenziert. Carsten Menke, Next Generation Research Director, bestätigte jüngst zwar einen generellen Schub durch die Hoffnung auf eine Erholung der Industrie.

Doch langfristig werde die Transformation von China von einem Investment-getriebenen Wachstum zum Konsum-gestützten Wachstum einen negativen Einfluss bringen; wir übersetzen: Falls Stimuli auslaufen sinkt die Nachfrage. Dieser Effekt wird laut Julius Bär den positiven Einfluss des Aufstiegs der sauberen Technologien überlagern.

Menke glaubt somit, dass die Nachfragedynamik im Metallmarkt wieder nachlassen wird. Julius Bär konstatierte, vor allem Stahl sei anfällig wegen der hohen Korrelation zu Stimuli-getriebenen Nachfrage aus China.

Bei Aluminium könne es bergab gehen, weil zuvor geschlossene Produktionsstätten bald wieder öffnen. Bei Kupfer bleibe das Angebot stärker limitiert.

Kupfer wird vor allem in Kabeln verarbeitet, Aluminium unter anderem in E-Autos.

 

 

Öko-Darling Platin

Somit sind die Metalle dann vielleicht doch keine solide Wette auf den Green New Deal in den USA und auf die Öko-Politik in Europa und sonstwo. Mit einer Ausnahme: Platin. Wir hatten an dieser Stelle schon im September vorigen Jahres darauf hingewiesen, dass das weiße Edel- und Industriemetall einen Nachzügler-Status innehat und vermutet, dass viele Autohersteller bei Katalysatoren vom inzwischen teuren Palladium auf das noch günstigere Schwestermetall Platin umsteigen. Und siehe da: Platin ist inzwischen kräftig nach oben geschossen und hat gerade ein Sechsjahreshoch markiert.

Das könnte so weitergehen. „Autocatalyst demand will recover strongly on higher car output and stricter emissions limits for trucks in China. Industrial consumption will remain robust, with PGM use in chemicals [manufacturing] set to reach an all-time high,“ urteilte jüngst der PGM Market Report.

Der Bericht stammt von Johnson Matthey, das ist ein Metall-Raffinierer und Katalysator-Hersteller; PGM heißt Platinum Group Metals.

Das Unternehmen urteilte weiter: „PGM supply and demand are forecast to bounce back in a V-shaped recovery.“

 

Dollar-Vernichtung und Förderprobleme

Es gibt weitere Gründe für den Bull-Run: Die US Mint meldete vor kurzem, dass sie die Nachfrage von Investoren nach Platinmünzen nicht bedienen könne. Viele Anleger hedgen sich also mit Platin gegen den Dollarverfall. Dazu standen jüngst in Südafrika wegen Energieproblemen einige Minen still.

Wie BullionVault.com berichtet, hat der südafrikanische Energieversorger Eskom seine Leistung zuletzt mehrfach gekappt. Das hat Folgen für die Förderung: „The mining industry is heavily reliant on electric output,“ urteilte die BNP Paribas und fuhr fort: „and so is likely to suffer production slowness…That obviously translates into higher prices of PGMs today.“

Unser Fazit: Gerade Platin bleibt für Anleger interessant. Denn es vereint die Vorteile eines Industriemetalls mit dem Inflationsschutz.

Auch Georgette Boele, Analystin bei der ABN Amro konstatierte: “Optimism on the outlook for industrial and car demand, more stringent emission regulations and, in the last couple of days, some weakness in the dollar” hätten den Platin-Preis angeschoben.

Wir behalten das Thema für Sie im Auge.

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