Sparen: Alt kann nicht, jung will nicht

Sparen ist für jeden vierten über 60-Jährigen finanziell nicht drin, so eine aktuelle Postbank Umfrage. Unter den jungen Deutschen herrscht hingegen Sparverdruss: Überdurchschnittlich viele 16- bis 29-Jährige wollen keine Rücklagen bilden.

In keiner anderen Altersgruppe finden sich so viele Menschen, die zu arm zum Sparen sind, wie unter den über 60-Jährigen. Rund 23 % aller Bundesbürger über 60 sind nicht in der Lage zu sparen, in der gesamten Bevölkerung liegt der Anteil bei 15 %. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen TNS-Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank.

Diese hohe Zahl überrascht: Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung sind die verfügbaren Einkommen der 65- bis 74-Jährigen seit Mitte der 80er-Jahre um durchschnittlich 25 % gestiegen. Im Vergleich dazu wuchsen die Einkommen der unter 45-Jährigen nur um 10 %.

Trotz dieser positiven Einkommensentwicklung besteht für Menschen im Rentenalter ein erhöhtes Armutsrisiko. Das Rentenniveau ist seit Ende der 1970er-Jahre von knapp 60 % auf rund 48 % im Jahr 2016 gesunken.

"Ein Abwärtstrend, der sich fortsetzen und zu einer immer größeren Rentenlücke führen wird", sagt Frank Kuczera von der Postbank. "Die Zahl der Rentner, die ihre Lebenshaltungskosten nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können, steigt kontinuierlich an. Berufstätige müssen privat Rücklagen bilden, um die Verluste auszugleichen."

Bezahlt wird später
Und mit der privaten Vorsorge sollte man im Idealfall in jungen Jahren starten. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben: Unter den Befragten zwischen 16 und 29 Jahren ist der Anteil derer, die nicht genug verdienen, um zu sparen, mit lediglich 5 % von allen Altersklassen am niedrigsten, so die Postbank Umfrage.

Während nur wenigen jungen Deutschen die finanziellen Mittel zum Sparen fehlen, entscheiden sich jedoch überdurchschnittlich viele bewusst dagegen, Rücklagen zu bilden. Jeder neunte unter 30-Jährige (11 %) will nicht sparen; der Durchschnitt liegt bei 6 %.

Da passt ins Bild, dass jeder siebte 16- bis 29-Jährige (13 %) nach der Devise lebt: "Erst kaufen, dann zahlen." Von allen Befragten konsumiert nur jeder Zwölfte (8 %) nach diesem Prinzip.

"Mit Blick auf die finanzielle Absicherung im Alter ist die Einstellung der jungen Deutschen fatal", erklärt Postbank Experte Frank Kuczera. "Auch wenn der Renteneintritt noch in weiter Ferne liegt, sollten sie früh mit dem Vermögensaufbau starten, da sie jetzt noch vom langen Anlagehorizont profitieren."

Anm. der Redaktion: Wie Zinseszins und Cost-Average-Effekt den langfristigen Vermögensaufbau positiv beeinflussen.

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