Zeitenwende: Aktien-Booster für die Rente
Endlich – endlich ist es so weit. Die Bundesregierung scheint tatsächlich umzusetzen, was seit so vielen Jahren überfällig und in vielen anderen europäischen Ländern längst realisiert ist: eine staatlich geförderte Altersvorsorge, die endlich auch auf Aktienanlagen setzt statt wie bisher auf überteuerte Versicherungsprodukte mit hohen Kosten und verschwindend geringen Vermögenszuwächsen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Staatlich geförderte Altersvorsorge setzt künftig endlich auf Aktien
- Neues Altersvorsorgedepot startet voraussichtlich Anfang 2027
- Attraktive Förderung: Bis zu 540 € Grund- und 300 € Kinderzulage pro Jahr
- Bundesrat lobt, stellt aber auch erheblichen Nachbesserungsbedarf fest
- Forderungen: Kosten senken, Standardprodukt klar definieren, Förderung ausweiten
Der erste Versuch, die private Vorsorge für möglichst viele Bundesbürger staatlich zu fördern, die Riester-Rente, ist aus der Sicht vieler Experten krachend gescheitert: zu kompliziert, zu unflexibel, zu wenig rentierlich. Eine Auffassung, die ich mehr als teile.
Insofern ist es ein überfälliger Paradigmenwechsel, dass der Staat den Kapitalmarkt und insbesondere Aktien endlich als zentrale Säule der privaten Altersvorsorge anerkennt. Jahrzehntelang wurde in Deutschland so getan, als ließe sich hinreichend für das Alter vorsorgen, ohne dabei auf Produktivkapital zu setzen – was für ein Irrweg.
Ein wesentlicher Bestandteil der aktuellen Altersvorsorgereform ist das neue sogenannte Altersvorsorgedepot, den entsprechenden Gesetzesentwurf hatte die Bundesregierung bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht. Ende Januar nun hat der Bundesrat diesen genauer unter die Lupe genommen. Grundsätzlich fanden die Reformvorschläge großen Anklang, neben lobenden Worten formulierte der Bundesrat aber auch erheblichen Nachbesserungsbedarf.
Diese Kritik ist richtig und wichtig, denn die Details entscheiden letztlich darüber, ob dieser zweite Anlauf zu einer staatlich geförderten Altersvorsorge ein echter Erfolg wird oder nur ein weiteres gut gemeintes, aber wirkungsloses Reformversprechen bleibt.
Die Hauptkritikpunkte des Bundesrates haben wir für Sie zusammengetragen, es sind die folgenden:
- Es soll ein verbindliches Standardprodukt geben. Derzeit kann jeder Anbieter sein eigenes Standardprodukt bauen – mit unterschiedlichen Risiken, Fonds und Kosten. Der Bundesrat fordert stattdessen ein einziges, einheitliches Standardprodukt, welches staatlich organisiert, aber privat verwaltet wird.
- Der Kostendeckel sollte deutlich gesenkt werden – derzeit liegt er bei 1,5% und ist aus Sicht des Bundesrates viel zu hoch. Die geplanten Gebührenstrukturen würden die Renditen der geförderten Depots stark reduzieren, ähnlich wie bei der Riester-Rente.
- Zudem sollte der Sonderausgaben-Höchstbetrag von den derzeit geplanten 1.800 Euro auf 3.000 Euro angehoben werden.
- Weiterhin ist es wichtig, eine Möglichkeit zu schaffen, dass das Kapital auch in der Auszahlungsphase weiter investiert bleiben kann, um bei möglichen Kurseinbrüchen keine Vermögensverluste realisieren zu müssen. Diese Option geht aus dem aktuellen Entwurf nicht deutlich genug hervor.
- Familien mit niedrigen Einkommen sollten besser gefördert werden, indem die volle Kinderzulage schon dann gewährt wird, wenn man die Grundzulage bekommt. Anderenfalls werden Geringverdiener bei der Kinderzulage benachteiligt.
- Der Kreis der Förderberechtigten sollte nach Auffassung des Bundesrates deutlich ausgeweitet werden, mindestens auf Selbstständige, gerne auch auf alle Personen im erwerbsfähigen Alter.
Diese Nachbesserungen halte ich allesamt für sinnvoll und wichtig, damit aus dem neuen Altersvorsorgedepot nicht Riester 2.0 wird.
So steigt die maximale Grundzulage für Erwachsene von 175 Euro per annum auf 480 Euro bzw. ab 1.1.2029 auf 540 Euro pro Person, wenn diese 1.800 Euro pro Jahr in ein entsprechendes Altersvorsorgedepot einzahlt. Hinzu kommt eine Kinderzulage von maximal 300 Euro, ohne dass dafür zusätzlich Beiträge eingezahlt werden müssen.

Die Förderquote liegt für diesen Fall bei 47% – die eigenen Einzahlungen betragen 1.800 Euro, die Zulagen liegen ab 2029 bei jährlich 840 Euro. Diese Zulagen nicht mitzunehmen, wäre schlichtweg unklug. Sind mehrere Kinder vorhanden, ist die Förderquote noch deutlich höher.

Auch wenn die Details derzeit noch diskutiert und ausgestaltet werden, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass das neue renditeorientierte Altersvorsorgedepot ab Januar 2027 kommen wird. Und darüber bin ich sehr froh, vor allem weil endlich die Renditechancen der Aktienmärkte für eine staatlich geförderte Altersvorsorge genutzt werden können.
Das Altersvorsorgedepot kann ein echter Meilenstein in der Vermögensbildung werden – und zwar für alle Menschen, aber nur, wenn es:
- konsequent kapitalmarktbasiert,
- fair reguliert,
- breit zugänglich,
- renditeorientiert im Sinne der Anlegerinnen und Anleger
gestaltet wird.
Als Bank, die sich seit jeher für unabhängige, aktienbasierte Geldanlage für alle Menschen einsetzt, sehen wir darin eine große Chance, Altersvorsorge in Deutschland endlich zukunftsfähig zu machen.
Wir werden unsere Kundinnen und Kunden sowie alle Menschen, die von den Vorteilen des Altersvorsorgedepots profitieren wollen, mit konkreten Produktlösungen unterstützen und halten Sie hierzu gerne auf dem Laufenden. Bei Fragen dazu können Sie sich jederzeit an mich wenden – oder an die Beraterinnen und Berater der Quirin Privatbank an den bundesweit 15 Standorten. Wir freuen uns auf Sie.
Disclaimer & Risikohinweis
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Infos über Quirin Privatbank
Die Quirin Privatbank AG wurde 2006 als erste Honorarberaterbank in Deutschland gegründet – mit der Mission, die Menschen in Deutschland zu besseren Anlegern zu machen. Die Bank ist Spezialist für professionelle, individuelle Vermögensverwaltung und einen langfristigen Vermögensaufbau.
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