Zerreißprobe im Ölmarkt

Bernstein BankEhekrise in der OPEC+: Die Vereinigten Arabischen Emirate stellen sich quer und verlangen für sich eine höhere Förderquote. Das könnte man als Petitesse ignorieren, denn die VAE sind viel zu klein, um alleine den Ölmarkt zu bewegen.

Allerdings ist es schon erstaunlich, dass der Zoff öffentlich ausgetragen wird. Experten unken schon von einem Bruch des Kartells – dann droht eine Ölschwemme und ein Absturz des Ölpreises.

 

Neue Verhandlungen am Montagnachmittag

Seit dem Corona-Crash im vorigen Winter ist der Ölpreis auf dem Weg nach Norden. Der Inflationsschub der Notenbanken hat sein Übriges getan, um den Preis für ein Fass WTI auf rund 76 Dollar anzuschieben. Das dürfte sich angesichts der erwarteten Erholung der Weltwirtschaft auch nicht so bald ändern.

Wenn, ja wenn die OPEC jetzt nicht durchdreht: das Ölkartell und seine Verbündeten haben sich nach zwei zähen Verhandlungstagen nicht auf eine neue Förderstrategie ab August geeinigt. Die Verhandlungen sind auf den heutigen Montagnachmittag vertagt worden – Trader sollten also den Newsticker im Blick behalten.

 

Moderate Quotenerhöhung geplant

Wegen des erwarteten globalen Wirtschaftsaufschwungs und der weiterhin bestehenden Corona-Risiken will die OPEC+ die Produktion von August bis Jahresende stufenweise anheben.

Ein am Donnerstag vorgelegter Kompromiss sah vor, die tägliche Fördermenge von August bis Dezember um monatlich je 400.000 Barrel zu steigern. Besonders wichtig: Dazu hatte sich auch Russland bereit erklärt, wie die russische staatliche Agentur Tass berichtete.

 

Die Emiratis zicken

Doch jetzt stellen sich die VAE quer. Die Emiratis wollen für sich die Förderung anheben: von 3,2 auf 3,8 Millionen Barrel pro Tag. Saudi-Arabien und Russland lehnen eine Neuverhandlung der Quoten jedoch vehement ab.

Das Blog ZeroHedge schrieb sogar schon einen Bruch des Kartells herbei. Selbst Bloomberg sieht inzwischen mögliche eine Wiederholung des Thanksgiving-Massakers von 2014, als sich das Kartell nicht einigen konnte und die Anarchie bei den Förderern tobte.

 


 

Unverhofft kommt oft

Eine Wiederholung dieses Szenarios halten wir aktuell für wenig wahrscheinlich. Dennoch lohnt es sich, diese Wahrscheinlichkeit im Hinterkopf zu behalten – unverhofft kommt oft. Sollten die Emiratis einseitig davon ziehen, dürften andere Länder, die sich benachteiligt fühlen, folgen.

Die Disziplin im Kartell lässt sowieso schon seit jeher zu wünschen übrig – vor allem Nigeria und der Irak dürften die Hähne öffnen. Dann dürften die Russen folgen. Was letztlich Saudi Arabien dazu verleiten könnte, wieder die Peitsche knallen zu lassen – und den Rest der wilden Bande mit einer Ölschwemme auf Kurs zu bringen.

 

Noch einmal 46 Cents?

Und dann sollten wir uns daran erinnern, wie schnell alles gehen kann: Im sagenhaften Absturz im vorigen April rauschte der Ölpreis auf 46 Cents je Barrel nach unten – ein Preiskrieg zwischen Moskau und Riad sowie die Corona-Depression brachten den Bären satte Gewinne. Tatsächlich sind laut Bloomberg Ölhändler und Analysten überrascht wegen der Heftigkeit und Länge, mit der inzwischen der Streit ausgetragen wird.

Und was passiert, wenn sich das Kartell doch einigt? Dann könnte der Ölpreis weiter moderat zulegen oder stagnieren, ja nach globaler Konjunktur und Covid. Ob long oder short –

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