Warum passive Emerging-Markets-Investments riskanter sein könnten als viele Anleger denken
Emerging Markets gelten als breit diversifizierte Anlageklasse mit attraktiven Wachstumschancen. Nach Einschätzung von Desiree Sauer, Investment-Strategin bei Lazard Asset Management, unterschätzen jedoch viele Anleger die tatsächlichen Konzentrationsrisiken klassischer Emerging-Markets-Indizes.
„Viele Anleger verbinden Emerging Markets automatisch mit breiter geografischer Diversifikation. In der Praxis sind klassische EM-Indizes heute jedoch deutlich stärker konzentriert, als häufig angenommen wird“, erklärt Sauer.
Wenige Länder und Unternehmen dominieren den Index
Rund drei Viertel des gesamten Index entfielen inzwischen auf asiatische Schwellenländer. Allein China und Taiwan machten zusammen nahezu die Hälfte des gesamten Index aus. Gemeinsam mit Südkorea und Indien repräsentierten diese vier Länder inzwischen rund drei Viertel des gesamten MSCI Emerging Markets Index.
Auch auf Unternehmensebene sei die Konzentration erheblich. Die zehn größten Unternehmen repräsentierten inzwischen rund ein Drittel des gesamten Index. Gleichzeitig entfielen mehr als 50 Prozent auf die Sektoren Technologie und Finanzdienstleistungen.
„Wer heute über klassische ETFs in Emerging Markets investiert, investiert faktisch vor allem in asiatische Technologieunternehmen“, so Sauer. Große Teile der Emerging-Markets-Welt spielten in klassischen EM-Indizes inzwischen nur noch eine untergeordnete Rolle.
Nach Ansicht der Expertin führten diese Konzentrationen dazu, dass viele Anleger mit einem klassischen Emerging-Markets-ETF deutlich stärkere Einzelrisiken eingingen, als ihnen bewusst sei.
Geopolitische Risiken treffen Emerging Markets besonders stark
Die hohe Konzentration könne insbesondere in geopolitisch angespannten Marktphasen problematisch werden. Gerade energieimportabhängige Länder wie China, Südkorea oder Indien reagierten empfindlich auf steigende Ölpreise und geopolitische Spannungen.
„Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie stark externe Schocks die gesamte Anlageklasse beeinflussen können“, erklärt Sauer. So hätten unter anderem die globale Finanzkrise, Handelskonflikte zwischen den USA und China, die Immobilienkrise in China sowie zuletzt geopolitische Spannungen im Nahen Osten erhebliche Auswirkungen auf Emerging Markets gehabt.
Zugleich weist die Strategin darauf hin, dass passive Indexstrategien solche Konzentrationen automatisch reproduzierten, unabhängig davon, wie sich fundamentale Risiken entwickelten. „Passive Investments übernehmen geopolitische Risiken automatisch“, sagt Sauer.
Aktives Management könnte an Bedeutung gewinnen
„Gerade in den Emerging Markets können aktive Manager strukturelle Verzerrungen gezielt vermeiden und Marktineffizienzen nutzen“, sagt Sauer. Besonders in konzentrierten Märkten könne eine aktive Länder-, Sektor- und Titelselektion helfen, Risiken bewusster zu steuern.
Auch quantitative Faktorstrategien könnten dabei eine wichtige Rolle spielen. Diese ermöglichten es, Risiken systematischer zu analysieren und Fehlbewertungen frühzeitig zu identifizieren. Rein quantitative Modelle stießen jedoch in Phasen abrupt wechselnder Marktregime häufig an Grenzen.
„Die Kombination aus systematischen Modellen, aktivem Risikomanagement und qualitativem Urteil dürfte deshalb langfristig besonders robust sein“, so die Strategin.
Emerging Markets bleiben langfristig attraktiv
Trotz der aktuellen Herausforderungen sieht Sauer Emerging Markets weiterhin als wichtigen Bestandteil globaler Aktienportfolios. Emerging Markets machten inzwischen rund 13 Prozent der weltweiten Aktienmarktkapitalisierung aus.
Gleichzeitig seien viele Schwellenländer im historischen Vergleich weiterhin attraktiv bewertet und in zahlreichen Anlegerportfolios trotz ihrer gestiegenen Bedeutung weiterhin unterrepräsentiert.
„Es stellt sich nicht die Frage, ob Anleger in Emerging Markets investieren sollten, sondern vielmehr, wie sie ihr Exposure innerhalb der Anlageklasse bestmöglich strukturieren“, erklärt Sauer.
Disclaimer & Risikohinweis
Eine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Angaben können wir nicht übernehmen, und keine Aussage in diesem Artikel ist als solche Garantie zu verstehen. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers/der Verfasser wieder und stellen nicht notwendigerweise die Meinung von Lazard oder deren assoziierter Unternehmen dar. Die in diesem Artikel zum Ausdruck gebrachten Meinungen können sich ohne vorherige Ankündigung ändern. Weder Lazard noch deren assoziierte Unternehmen übernehmen irgendeine Art von Haftung für die Verwendung dieses Artikels oder dessen Inhalt.Weder dieser Artikel noch dessen Inhalt noch eine Kopie dieses Artikels darf ohne die vorherige ausdrückliche Erlaubnis von Lazard auf irgendeine Weise verändert oder an Dritte verteilt oder übermittelt werden.
Themen im Artikel
Infos über Lazard Asset Management
Als indirekte Tochtergesellschaft von Lazard Ltd bietet Lazard Asset Management weltweit eine breite Palette von Aktien-, Anleihen- und Alternativen Investmentprodukten. Lazard Asset Management und verbundene Vermögensverwaltungsgesellschaften der Lazard-Gruppe verwalten ein Kundenvermögen in ...
Lazard Asset Management Nachrichten
-
Ungarn vor Neubewertung? Warum Investoren bei den Emerging Markets genauer hinschauen sollten
Trotz anhaltender politischer und wirtschaftlicher Herausforderungen könnte sich Ungarn zu einer attraktiven Investmentchance für internationale Anleger entwickeln. Dieser Ansicht ist James Donald, Portfoliomanager/Analyst und Leiter der...
-
Wandelanleihen zeigen Stärke in unruhigen Marktphasen
Trotz der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten bleibt Lazard Asset Management optimistisch für Wandelanleihen. „Die jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben die Volatilität an...
-
Emerging-Markets-Aktien: Der Beginn eines neuen Zyklus?
James Donald, Portfoliomanager/Analyst und Leiter der Emerging-Markets-Plattform bei Lazard Asset Management in New York, sieht derzeit attraktive Chancen für Schwellenländeraktien. Aus seiner Sicht könnte sich...
-
Anleihen: Ausgangslage ist so attraktiv wie lange nicht mehr
Bereits eingepreiste Risiken ebnen derzeit den Weg für attraktive Realrenditen auf dem Anleihenmarkt. Diese Meinung vertritt Michael Weidner, Portfoliomanager/Analyst und Co-Head des Global Fixed Income...
-
Steht der japanische Aktienmarkt vor einem Comeback?
Lange Zeit hätten Themen wie hohe Staatsverschuldung, schwaches Wachstum und ungünstige demografische Entwicklungen die Wahrnehmung dominiert. Doch diese Sichtweise greife zunehmend zu kurz: „Das Ende...









