Rohstoff-Superzyklus: warum Gold, Silber und Kupfer vor dem Comeback stehen!

Wer im Januar dieses Jahres Gold gekauft hat, sitzt heute auf einem Verlust von rund 21%.

Das ist die eine Wahrheit.

Die andere: die Notenbanken dieser Welt haben im zweiten Quartal 2026 netto 289 Tonnen Gold gekauft – 62% mehr als im Vorjahresquartal und die größte Menge, die jemals in einem zweiten Quartal registriert wurde. Wer also verkauft hat, hat an jemanden verkauft, der es (vielleicht) besser wusste.

Genau in dieser Spannung liegt die eigentliche Geschichte des Jahres 2026. Nach dem Rekordlauf von 2025 und dem Allzeithoch bei knapp 5.600 US-Dollar im Januar haben Gold, Silber und Kupfer eine harte Korrektur hinter sich. Für viele Anleger sah das nach dem Ende der Rohstoff-Rally aus.

Ein Blick auf die Angebotsseite legt allerdings etwas anderes nahe… nämlich dass hier gerade eine Verschnaufpause in einem sehr viel längeren Zyklus stattgefunden hat.

 

Edelmetalle – Eckdaten Anfang September 2026
Kurse je Feinunze, Stand 4. September 2026
4.435 USD
Gold je Feinunze (rund 3.819 Euro)
▲ +12% seit dem Korrekturtief
66,24 USD
Silber je Feinunze (rund 57 Euro)
▼ -7% ggü. Jahresschluss 2025
67
Gold-Silber-Ratio (Unzen Silber je Unze Gold)
▲ deutlich unter dem 10-Jahres-Mittel
289 t
Netto-Goldkäufe der Notenbanken im 2. Quartal
▲ +62% ggü. Vorjahr, Rekord für ein Q2
Quelle: Broker-Test.de, Stand: 4. September 2026. Keine Anlageberatung.

 

Bevor man über die Zukunft spricht, lohnt sich ein kurzer Blick zurück. Denn das, was 2025 an den Rohstoffmärkten passiert ist, war in dieser Deutlichkeit selten.

 

Das Rekordjahr 2025 – und warum der Rücksetzer dazugehört

Silber legte 2025 um 147,31% zu und beendete das Jahr bei 71,30 US-Dollar je Feinunze. Gold kam auf rund 60%, Kupfer auf 44,51% und schloss bei 12.504 US-Dollar je Tonne. Zum Vergleich: Der S&P 500, immerhin getragen vom größten Technologie-Boom seit der Jahrtausendwende, schaffte 16,39%.

Rohstoffe haben Aktien also nicht knapp geschlagen, sondern regelrecht deklassiert.

 

Rohstoffe gegen Aktien – Performance 2025
Wertentwicklung im Kalenderjahr 2025 in %
Silber
+147,3%
Gold
+60,0%
Kupfer
+44,5%

S&P 500
+16,4%

Rohstoffe

Aktienmarkt

Quelle: Broker-Test.de, Stand: September 2026. Wertentwicklung Kalenderjahr 2025.

 

Nach einem solchen Jahr ist eine Korrektur eigentlich das Gesündeste, was einem Markt passieren kann. Gold fiel vom Januar-Hoch bei rund 5.594 US-Dollar bis auf etwa 3.940 US-Dollar zurück, ehe im Sommer eine Stabilisierung einsetzte.

Aktuell notiert das Metall bei 4.435,57 US-Dollar und damit gut 12% über dem Korrekturtief. Der 200-Tage-Durchschnitt, der zuletzt bei rund 4.500 US-Dollar verlief, ist zur entscheidenden Hürde geworden – wird er zurückerobert, wäre das ein starkes Indiz dafür, dass hier tatsächlich ein Boden liegt und nicht nur eine Zwischenerholung.

 

Notenbanken kaufen weiter – und zwar in Rekordtempo

Der eigentliche Grund, warum die Korrektur bei Gold nicht tiefer ausfiel, sitzt nicht in den ETF-Statistiken, sondern in den Bilanzen der Zentralbanken. Die 289 Tonnen aus dem zweiten Quartal sind kein Ausreißer, sondern die Fortsetzung eines Trends, der seit Jahren läuft: Vor allem Schwellenländer-Notenbanken stellen ihre Währungsreserven breiter auf und reduzieren dabei ihre Dollar-Abhängigkeit. Diese Käufer sind preisunelastisch. Sie kaufen nicht, weil der Chart schön aussieht, sondern weil sie eine strategische Quote erfüllen wollen.

Das ist ein struktureller Unterschied zu früheren Goldzyklen. In den Jahren 2011 bis 2015 war Gold im Wesentlichen ein Anlegerthema – als die Investmentnachfrage wegbrach, brach auch der Preis weg. Heute steht dahinter ein Käufer, der nicht auf Quartalssicht optimiert und der Rücksetzer eher als Gelegenheit begreift. Saxo-Bank-Analyst Ole Hansen verweist genau darauf: Die anhaltende strukturelle Nachfrage habe eine stärkere Korrektur verhindert, gleichzeitig sei das makroökonomische Umfeld wieder unterstützender geworden.

Hinzu kommt der Zinspfad. Am 15. und 16. September tagt die Fed, und mehrheitlich wird inzwischen keine weitere Zinserhöhung mehr erwartet. Für ein zinsloses Metall wie Gold ist das die entscheidende Variable – nicht das absolute Zinsniveau, sondern die Richtung. Sobald die Erwartung von „höher“ auf „seitwärts oder tiefer“ kippt, verschwindet der größte Bremsklotz der vergangenen Monate.

Gold Chart

 

Silber: das sechste Defizitjahr in Folge

Bei Silber ist die Lage noch zugespitzter, weil hier Anlage- und Industriemetall in einem Stück stecken. Laut dem World Silver Survey 2026, den das Silver Institute gemeinsam mit Metals Focus im April vorgelegt hat, steuert der Markt auf sein sechstes Angebotsdefizit in Folge zu. Die Lücke soll 46,3 Millionen Unzen erreichen, nach 40,3 Millionen im Vorjahr – ein Plus von 15%. Seit 2021 summiert sich der Fehlbetrag damit auf 762,1 Millionen Unzen. Das entspricht in etwa einer kompletten Jahresproduktion aus dem Bergbau, die schlicht aus oberirdischen Beständen abgeflossen ist.

Und das Angebot reagiert eben nicht. Die Minenproduktion soll 2026 sogar leicht auf 844,1 Millionen Unzen sinken, das Gesamtangebot inklusive Recycling um 2% auf 1.066,4 Millionen Unzen. Der Grund ist struktureller Natur: Rund 70% des weltweiten Silbers fällt als Nebenprodukt bei der Förderung anderer Metalle an. Ein Minenbetreiber, der Kupfer oder Blei fördert, fährt seine Anlage nicht hoch, nur weil der Silberpreis anzieht. Dazu kommt, dass die registrierten Bestände an der COMEX seit 2020 um rund 70% geschrumpft sind und China seit Januar 2026 den Export über Lizenzpflichten verknappt.

Ehrlicherweise gehört die Gegenseite dazu: Die Solarindustrie substituiert Silber durch kupferbasierte Kontakte, das Silver Institute rechnet in diesem Segment mit einem Rückgang von etwa 19%, die gesamte Industrienachfrage sinkt um 3% auf 639,6 Millionen Unzen. Genau das hat den Preis zuletzt gedeckelt. Nur: Das Defizit besteht trotz dieses Rückgangs – und für 2030 erwartet das Institut eine industrielle Nachfrage von über 700 Millionen Unzen jährlich, getragen von KI-Rechenzentren, Elektromobilität und Netzinfrastruktur.

Silber Chart

 

 

Kupfer: die Angebotslücke wird zum Kurstreiber

Kupfer ist in diesem Trio der Wert, bei dem die Rechnung am wenigsten Interpretationsspielraum lässt. Die Internationale Energieagentur sieht für 2030 eine globale Angebotslücke von 5,9 Millionen Tonnen, bis 2040 wächst sie auf rund 11,0 Millionen Tonnen. Noch drastischer formuliert es die IEA an anderer Stelle: Bestehende und geplante Minenprojekte könnten bis 2035 nur etwa 70% der erwarteten Nachfrage decken.

Das liegt nicht am fehlenden Willen, sondern an der Physik des Bergbaus. Die Erschließung einer neuen Lagerstätte dauert bis zu 15 Jahre, die Erzgehalte in bestehenden Minen sinken seit Jahren, und die politischen Risiken in den Förderländern Chile und Peru – zusammen rund 40% der Weltproduktion – nehmen eher zu als ab. Auf der Nachfrageseite steht dem eine seltene Konstellation gegenüber: Stromnetzausbau, Elektromobilität, erneuerbare Energien und der KI-Boom ziehen gleichzeitig am selben Metall. Allein der Stromverbrauch der Rechenzentren soll sich laut IEA von rund 485 Terawattstunden im Jahr 2025 auf etwa 945 Terawattstunden im Jahr 2030 nahezu verdoppeln. Jede dieser Serverfarmen braucht tausende Tonnen Kupfer für Verkabelung und Stromverteilung.

 

Drei Metalle, drei Argumentationsketten
Angebotslage, Nachfragetreiber und Prognose-Ankerpunkte
Metall Angebotsseite Nachfragetreiber Prognosen
Gold Minenproduktion wächst nur langsam,
Recycling preisabhängig
Notenbankkäufe (289 t im Q2),
De-Dollarisierung, Geopolitik,
Fed-Zinspfad
Jahresende 2026:
4.000 bis 4.900 USD
(Goldman, J.P. Morgan, BofA)
Silber 6. Defizitjahr in Folge,
46,3 Mio. Unzen Lücke,
rund 70% Nebenprodukt
Photovoltaik (rückläufig),
Elektronik, KI-Rechenzentren,
Investmentnachfrage
LBMA-Umfrage 2026:
Ø 79,57 USD,
Spanne 42 bis 165 USD
Kupfer Angebotslücke 5,9 Mio. t bis 2030,
bis zu 15 Jahre Projektvorlauf,
sinkende Erzgehalte
Stromnetze, E-Mobilität,
KI-Rechenzentren,
US-Zölle von 50%
Bank of America:
Ø 11.313 USD/t 2026,
13.501 USD/t 2027
Quelle: Silver Institute/Metals Focus, IEA, Bankenprognosen, Broker-Test.de, Stand: September 2026. Keine Anlageberatung.

 

Was die Tabelle zeigt: Es gibt hier nicht einen Motor, sondern drei voneinander weitgehend unabhängige. Genau das unterscheidet einen Superzyklus von einer normalen Hausse.

In den vergangenen großen Rohstoffzyklen war es jeweils ein einzelner Treiber – die Industrialisierung der USA, der Wiederaufbau Europas, der Aufstieg Chinas.

Diesmal laufen Energiewende, Netzausbau, Rüstung und künstliche Intelligenz parallel, und alle vier brauchen dieselben Metalle.

 

 

Was die Banken den Metallen zutrauen

Bei den Prognosen sollte man nüchtern bleiben, denn die Spannen sind erheblich. Für Gold haben mehrere große Häuser ihre Erwartungen für das Jahresende 2026 zuletzt auf eine Spanne von 4.000 bis 4.900 US-Dollar zurückgenommen – Goldman Sachs am oberen Ende, die Bank of America mit 4.250 US-Dollar am unteren.

Beim aktuellen Kurs von 4.435 US-Dollar liegt also selbst die optimistischste Schätzung nur rund 10% über dem heutigen Niveau. Interessanter wird es mittelfristig: Morgan Stanley erwartet für 2027 wieder Kurse über 5.000 US-Dollar, die UBS nennt 5.200 US-Dollar zur Jahresmitte 2027, warnt aber ausdrücklich vor zwischenzeitlichen Rücksetzern, falls die Fed die Zinsen länger hoch hält.

Bei Silber ist die Bandbreite geradezu absurd weit. Die LBMA-Analysten erwarten für 2026 im Schnitt 79,57 US-Dollar je Feinunze – das wären gut 20% über dem aktuellen Kurs. Die prognostizierte Handelsspanne reicht allerdings von 42 bis 165 US-Dollar. Eine solche Spreizung ist selten und sagt vor allem eines: Niemand weiß, ob die industrielle Substitution oder das strukturelle Defizit die Oberhand behält. Wer Silber kauft, kauft Volatilität mit.

Kupfer zeigt das klarste Bild. Die Bank of America hat ihre Prognose für den durchschnittlichen Kupferpreis 2026 zuletzt um 11% auf 11.313 US-Dollar je Tonne angehoben und sieht für 2027 bereits 13.501 US-Dollar, mit Spitzenwerten oberhalb von 15.000 US-Dollar.

Anfang 2026 hatte das Metall bereits historische Höchststände oberhalb von 14.000 US-Dollar je Tonne erreicht – die Marke ist also keine theoretische Größe, sondern bereits einmal bezahlt worden.

 

Minenaktien: der Hebel wirkt in beide Richtungen

Wer nicht in physische Ware oder Terminkontrakte gehen möchte, landet zwangsläufig bei den Produzenten. Newmont, der größte Goldproduzent der Welt, notiert bei 128,03 US-Dollar und kommt auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,43 bei einem Gewinn je Aktie von 7,94 US-Dollar. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 132,87 US-Dollar – knapp 4% über dem aktuellen Kurs. Freeport-McMoRan, das große Kupfer-Schwergewicht mit 104 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung, steht bei 72,71 US-Dollar, das Konsensziel bei 72,05 US-Dollar. Also praktisch auf Kursniveau.

Das ist der ehrliche Teil dieser Geschichte: Die Analysten sehen bei den großen Produzenten aktuell kaum noch Luft nach oben. Ein Stück weit ist der Superzyklus in diesen Papieren schon eingepreist. Wer eine Ausnahme sucht, findet sie eher in Europa – die Hamburger Aurubis, größte Kupferhütte des Kontinents, notiert bei 174,00 Euro und damit auf einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,56 bei einem Gewinn je Aktie von 22,81 Euro. Auch hier liegt das Konsensziel mit 169,50 Euro allerdings leicht unter dem Kurs. Die Zahlen zum Geschäftsjahr kommen am 2. Dezember.

 

Rohstoff-Superzyklus: Chancen und Risiken
Sachliche Einordnung für langfristig orientierte Anleger
Chancen
  • Notenbankkäufe auf Rekordniveau, preisunelastisch
  • Silber im sechsten Defizitjahr in Folge
  • Kupfer-Angebotslücke von 5,9 Mio. Tonnen bis 2030
  • Vier parallele Nachfragetreiber statt eines einzelnen
  • Fed erwartet keine weitere Zinserhöhung mehr
Risiken
  • Gold weiterhin rund 21% unter dem Januar-Hoch
  • Substitution von Silber in der Solarindustrie
  • Analystenziele der Produzenten auf Kursniveau
  • Hohe Volatilität, Silber-Prognosespanne 42 bis 165 USD
  • Politische Risiken in Chile und Peru
Quelle: Eigene Analyse, Broker-Test.de, Stand: September 2026. Keine Anlageberatung.

 

Fazit: Die Korrektur hat den Zyklus nicht beendet

Man muss zwei Dinge auseinanderhalten. Kurzfristig war 2026 bislang ein schlechtes Rohstoffjahr, und das lässt sich nicht wegdiskutieren – Gold liegt rund 21% unter seinem Januar-Hoch, Silber rund 7% unter dem Jahresschluss 2025. Wer auf Zwölf-Monats-Sicht denkt, hat hier vor allem Volatilität bekommen.

Strukturell hat sich in dieser Zeit aber nichts verschlechtert, im Gegenteil. Das Silberdefizit ist gewachsen, nicht geschrumpft. Die Kupferlücke wird von der IEA größer geschätzt als noch vor einem Jahr. Und die Notenbanken haben ausgerechnet im Quartal der schwächsten Preise so viel Gold gekauft wie nie zuvor in einem zweiten Quartal.

Wenn die Preise fallen, während die physische Knappheit zunimmt, ist das kein Argument gegen den Zyklus – es ist ein Argument dafür, dass gerade Finanzströme und nicht Fundamentaldaten den Preis machen. Solche Phasen enden erfahrungsgemäß irgendwann. Nur eben nicht auf Zuruf.

Für langfristig orientierte Anleger heißt das: Die Argumente für Gold, Silber und Kupfer sind heute mindestens so gut wie vor der Korrektur – nur bekommt man sie zu deutlich niedrigeren Kursen.

Geduld und ein langer Atem waren bei Rohstoffen schon immer die wichtigeren Werkzeuge als das perfekte Timing!

 

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