Alpari: EZB bleiben kaum Handlungsmöglichkeiten; Aussie in potenziellem Keil

Alpari:

  • Der heutigen EZB-Sitzung wird besonderer Bedeutung beigemessen. Zwar gehen die meisten Analysten von keiner Senkung des Leitzinses von 0,50% auf 0,25% aus, aber weitere Liquiditätsmaßnahmen oder zumindest einen starken verbalen Hinweis darauf ist zu erwarten. In der aktuellen Situation bleiben aus Sicht der Notenbank kaum andere Handlungsoptionen offen. Die Inflationsrate in der Eurozone ist auf lediglich 0,7% im September (y/y) angezogen und weist auf eine deflationäre Entwicklung hin. Dies wird unterstützt durch die Rückzahlungen der LTRO-Kredite durch die Geschäftsbanken. Die Bilanz der EZB ist dadurch von über 3 Trillionen Euro auf etwa 2,3 Trillionen Euro gesunken. Das liegt daran, dass die Banken weiterhin ihre Bilanz verkürzen und kaum Kredite an die Realwirtschaft vergeben. Sie geben das ausgeliehene Kapital lieber an die EZB zurück. Verstärkt wird dieser Prozess durch den kürzlich gestarteten Bankenstresstest, der die größten 100 Kreditinstitute der Eurozone prüft. Die Banken wollen natürlich solide Bilanzen vorweisen und gehen keine weiteren Risiken ein. Letztendlich führt das dazu, dass die Euro-Liquidität sinkt, während andere Notenbanken wie beispielsweise die Fed, BoE oder BoE weiterhin fleißig Geld drucken und die Liquidität erhöhen. Dadurch wertet der Euro auf und gefährdet den fragilen Wirtschaftsaufschwung. Manche Marktbeobachter sehen bereits ein Japan-Szenario auf die Eurozone zukommen. Um dies zu vermeiden bleibt der EZB nichts anderes übrig, neue Liquiditätsmaßnahmen zu beschließen. Es ist als keine Frage des "ob", sondern des "wenn".
  • An den Aktienmärkten setzt sich die Konsolidierung fort. Der Dow Jones konnte auf ein neues Allzeithoch ausbrechen, hat aber nicht die aufwärtsgerichtete Konsolidierungsformation auflösen können (siehe Chart des Tages). Auffällig ist die ungebrochene Stärke des defensiven Konsumgütersektors und die relativ schwache Entwicklung der Nebenwerte. man kann daraus schließen, das Investoren vorsichtiger werden und Risiko zurückfahren.


Chart des Tages: Dow Jones mit neuem Hoch, aber noch kein Ausbruch aus Konsolidierung

 

Chart courtesy of StockCharts.com; http://stockcharts.com


Devisen & Edelmetalle: Aussie in potenziellem Keil

  • EUR/USD: Gute Einkaufsmanagerindizes der Eurozone haben den Marktkonsens gegen eine Leitzinssatzsenkung an der heutigen EZB-Sitzung umschwenken lassen. Daraufhin konnte der Euro erneut EUR/USD die untere Trendkanalbegrenzung  des Aufwärtstrends seit Juli verteidigen (aktuell 1,3584). Bisher handelt es sich aber lediglich um eine Konsolidierung in einem intakten Abwärtsimpuls und eine Verletzung des Aufwärtstrends ist nicht auszuschließen. In diesem Fall wäre eine obere Umkehr wahrscheinlich bestätigt und Abgaben bis an die Marken von 1,32 bis 1,30 sollten eingeplant werden. Zum Ende vergangener Woche hat EUR/USD einen Fehlausbruch unter das Februarhoch bei 1,3711 ausgelöst und eine massive obere Umkehrkerze im Wochenchart ausgebildet. Erst eine Rückeroberung des Widerstands bei 1,3606 würde den Blick wider in Richtung Jahreshoch wenden. Die technischen Indikatoren unterstreichen die Abwärtsrisiken. MACD und Aroon sind auf ?Verkaufen? umgeschwenkt. Der CCI ist ebenfalls bearish positioniert, aber der Stochastik hat ein neues Kaufsignal ausgelöst, so dass im Einklang mit dem Unterstützungsbereich der unteren Trendkanalbegrenzung zumindest kurzfristig eine Stabilisierung möglich ist. Unmittelbare Horizontalunterstützungen sind bei 1,3500 sowie 1,3477 vorhanden. Auf der Oberseite liegen die nächsten Widerstände bei 1,3532 und 1,3566. Eine Umstellung auf bearish erfolgt bei Unterschreitung der unteren Trendkanalbegrenzung ausgehend vom Julitief diesen Jahres. Neutral.
  • USD/JPY: Der richtungslose Handel bei USD/JPY geht in die nächste Runde. Seit vier Tagen konsolidiert das Währungspaar unterhalb der 99,00 Marke (aktuell 98,71).  Sollte es zu einem Schlusskurs über 99,00 kommen, wäre ein kleiner Doppelboden vollzogen, der weiteres Aufwärtspotenzial bis in Richtung runder 100er Marke verspricht. In diesem Dunstkreis verläuft auch die obere Begrenzung der Abwärtstrendlinie ausgehend vom Hochpunkt im Juli diesen Jahres bei 101,50. Grundsätzlich befindet sich USD/JPY weiterhin in einer sich verengenden Handelsspanne, die in multiple Dreiecksformationen hineinläuft (ausgehend vom Maihoch/Junitief oder Julihoch/Augusttief). Aber erst ein Ausbruch aus den Dreiecksbegrenzungen würde eine neue Trendbewegung rechtfertigen. Haltezonen liegen bei 98,13 und 97,88. Auf der Oberseite sind direkte Widerstände bei 98,83 und 99,00 vorhanden. Die technischen Indikatoren sind weitestgehend konstruktiv zu werten. Der MACD ist nach wie vor positiv ausgerichtet, während der Aroon mittlerweile eine neutrale Position einnimmt. Die Oszillatoren sind mehrheitlich in richtungslose Bereiche umgeschwenkt. Neutral.
  • EUR/GBP: Gestern konnte sich das Währungspaar an der Unterstützung bei 0,8392 EUR/GBP stabilisieren. Der entstandene ?Doji?-Candlestick unterstreicht die Unentschlossenheit der Marktteilnehmer und lässt nach den starken Verlusten der Vortage auf eine Konsolidierung schließen. Heute Morgen steht das Währungspaar mit +0,02% bei 0,8400. Das Chartbild ist weiterhin angeschlagen. Sollte es zu einem Schlusskurs unter das Intradaytief bei 0,8333 von Anfang Oktober kommen, müßte die gesamte Aufwärtsbewegung seit Anfang Oktober als ?Dead Cat Bounce? interpretiert werden. Auch die technischen Indikatoren MACD und Aroon sind auf die Verkaufsseite umgeschwenkt. Der Stochastik Oszillator zeigt aber einen extrem überverkauften Zustand an und steht kurz vor einem neuen Kaufsignal, so dass eine Stabilisierung an dieser Stelle nicht ausgeschlossen werden kann. Auf der Unterseite liegen Unterstützungen im Bereich von 0,8392 und 0,8374. Die nächsten signifikanten Widerstände sind bei 0,8408 und 0,8414 vorzufinden. Bearish.
  • AUD/USD:  Die Stabilisierungstendenzen in diesem Währungspaar zeigen sich robust, aber die Candlestickformationen der letzten sieben Handelstage lassen sich in einen aufsteigenden Keil zusammenfassen, der in der Regel nach unten aufgelöst wird. Damit erhöht sich im Chartbild die Gefahr einer nochmaligen Korrekturbewegung. Aktuell fällt der Aussie aufgrund schwächerer Arbeitsmarktdaten in Australien an die untere Begrenzung dieser Keilformation zurück und handelt bei 0,9489. Nach wie vor ist die Entwicklung der letzten Tage nur als Konsolidierung in einem intakten Abwärtsimpuls zu werten. Charttechnisch ist der steile Aufwärtstrend seit September nach unten gebrochen worden und ein kleiner Fehlausbruch unter den Pivotpunkt bei 0,9530 ist entstanden. Auf der Oberseite sind die nächsten Widerstände bei 0,9500 und 0,9525 vorzufinden. Unterstützt ist der Aussie bei 0,9485 und 0,9439. Die trendfolgenden Indikatoren unterstreichen die Abwärtsrisiken. MACD und Aroon zeigen Abwärtstrends an. Der Stochastik hat in der unteren Extremzone ein neues Kaufsignal ausgelöst und unterstützt die Stabilisierungstendenzen. Neutral.
  • Gold: Gold präsentierte sich gestern mit leichten Zugewinnen von +0,43% auf $1.317,20 und verweilt in der Konsolidierung oberhalb der $1.309 Unterstützung. Kurzfristig ist das Chartbild angeschlagen, da die wichtige Unterstützung bei $1.321 nicht verteidigt werden konnte. Auch die Indikatoren trüben sich weiter ein. Der Aroon zeigt mittlerweile einen Abwärtstrend an und der MACD hat ein neues Verkaufssignal ausgelöst. Auf der Oberseite sind zunächst Anlaufpunkte bei  $1.321 und $1.329 vorhanden. Unterstützungen liegen bei $1.309 sowie $1.305. Grundsätzlich besteht weiterhin die Chance auf eine Bodenbildung. Sollte eine nachhaltige Überwindung der runden Marke von $1.400 gelingen sowie als Bestätigung der wichtige Horizontalwiderstand bei $1.433 herausgenommen werden, wäre eine inverse SKS-Formation abgeschlossen und der Blick würde sich wieder nach oben richten. Eine Umstellung auf bullish erfolgt bei Herausnahme des $1.433 Horizontalwiderstands. Neutral. Palladium konnte gestern aus der bullishen Flagge ausbrechen und den Handel mit +1,98% auf $763,90 beenden. Dadurch ist ein neues Kaufsignal mit einem Aufwärtspotenzial von rund $62 entstanden. Heute Morgen fällt das Edelmetall wieder etwas zurück und testet die gestern ebenfalls überwundene Abwärtstrendlinie seit März diesen Jahres von oben. sollte dieser Test erfolgreich verlaufen, ist ein erneuter Aufwärtsschub wahrscheinlich. Ein Scheitern würde eine Konsolidierungsbewegung auf den Plan rufen.
Wichtige Wirtschaftstermine
Uhrzeit
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Indikator
Aktuell Prognose Zuletzt
12:00 Deutschland Erzeugung im produzierenden Gewerbe September m/m 0,20% 1,40%
13:45 EWU EZB-Entscheid 0,50% 0,50%
14:30 USA Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in tsd. 332 340
14:30 EWU EZB-Pressekon-ferenz
14:30 USA BIP Q3. q/q 1,90% 2,50%

Weitere Analysen von Jörg Rohmann finden Sie im Alpari Newsroom.

 

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Chart courtesy of StockCharts.com; http://stockcharts.com
Weitere Analysen von Florian Eberhard finden Sie im Alpari Newsroom

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