Börse Stuttgart: Aktienanleihen trotzen dem Trend

Sie stehen wie ein Fels in der Brandung: Aktienanleihen. Während jüngst die Nachfrage nach Kapitalschutz- und Teilschutz-Zertifikaten deutlich zurückging, wurden Aktienanleihen immer beliebter.

Das geht aus der Anzahl der ausgeführten Kundenorders an der Börse Stuttgart hervor: Sie erhöhte sich in den vergangenen sechs Monaten kontinuierlich – bei Papieren auf den DAX von rund 4.500 Orders im Juni auf über 6.000 im November. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 30 Prozent. Dieser Trend wird auch durch die jüngsten Zahlen des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) deutlich: Während der Umsatz der an den deutschen Börsen gelisteten Discount-Zertifikate im Oktober um rund 16 Prozent gegenüber dem Vormonat einbrach, legten Aktienanleihen um gut 8 Prozent zu. 

"Dass Aktienanleihen entgegen dem allgemeinen Zertifikatetrend auf eine steigende Nachfrage stoßen, ist bemerkenswert. Denn eine Aktienanleihe ist im Grunde nichts anderes als ein Teilschutz-Zertifikat. Der Hauptunterschied: Mögliche Erträge werden in Form von Kupons ausgezahlt", sagt Holger Schleicher, Leiter des Handels mit verbrieften Derivaten an der Börse Stuttgart.

Zudem werden bei herkömmlichen Zertifikaten die Ertragszahlungen anders bezeichnet. Bei Bonus-Zertifikaten sind es etwa die Bonuserträge. Bei Discount-Zertifikaten sind es die beiden Parameter "Preisabschlag" und der „maximal mögliche Ertrag“ (Cap), welche die Rendite bestimmen. Ein möglicher Grund für die Popularität von Aktienanleihen: „Bei Aktienanleihen wissen Anleger von vornherein, welchen Kupon sie jedes Jahr ausgezahlt bekommen. Viele Anleger schätzen diese regelmäßige Form der Auszahlung“, sagt Holger Schleicher.

Allerdings steigt mit den Renditechancen auch das Verlustrisiko. Sollte nämlich der anvisierte Zielkurs des Basiswertes am Laufzeitende nicht erreicht werden, kann es bei einem Investment in Aktienanleihen zu Verlusten kommen. Denn anders als die Bezeichnung „Anleihe“ suggeriert, gehen Anleger bei dem Investment ein Aktienrisiko ein. Ob sie am Laufzeitende den Nennwert der Aktienanleihe vollständig zurückerhalten, hängt von den Rückzahlungsbedingungen und der Wertentwicklung der unterlegten Aktie ab.

Das Prinzip: Bei der Emission der Papiere wird ein Basispreis festgelegt, der in der Regel etwas unter dem aktuellen Aktienkurs liegt. Notiert die Aktie zum Laufzeitende auf oder oberhalb des Basispreises, erhalten Anleger neben der Kuponzahlung den Nennwert der Aktienanleihe vollständig zurück.

Eine wesentliche Gemeinsamkeit zwischen Aktienanleihen und Zertifikaten ist die rechtliche Form der Produkte. Beides sind Inhaberschuldverschreibungen, bei denen Anleger ihr Geld den Emittenten leihen. Im Insolvenzfall des Emittenten ist das Anlegerkapital bei Aktienanleihen – wie auch bei Zertifikaten – nicht geschützt. „Deshalb sollten Investoren nicht nur die Marktchancen sehen, sondern auch das Emittentenrisiko berücksichtigen“, sagt Holger Schleicher.

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