EZB und das Coronavirus: Die Bazooka ist geladen

Nordea: Das neue, 750 Milliarden Euro schwere Quantitative Easing-Programm der Europäischen Zentralbank (EZB) als Reaktion auf die Auswirkungen der Coronakrise ist nicht nur äußerst beeindruckend, sondern auch eine angemessene Entscheidung. Dieser Meinung ist Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management. „Das Ankaufprogramm ist eine gewaltige Stütze für Kerneuropa, um durch das sich auftuende Einnahmeloch zu kommen. Dieses wird wahrscheinlich einige kleinere Unternehmen mit sich reißen“, erwartet der Experte.

Zentrale Elemente seien unter anderem, dass das neue Programm dem APP (Asset Purchase Programme) folge und hinsichtlich der Kennziffer vor Fälligkeit ambivalent formuliert sei. „Es scheint zwar eine Spur härter als das vorherige QE-Programm zu sein, wichtig ist aber, dass griechische Anleihen diesmal Teil des Ankaufsprogramms sind“, so Galy. Krediterleichterungen würden über den Ankauf von Commercial Paper und die Annahme von Finanzforderungen an den Unternehmenssektor als Sicherheit erfolgen.

„Die Zentralbank beginnt sich mit kleinen und Kleinstunternehmen zu beschäftigen, da die Vorgehensweise einen Rahmen für die Risikoteilung mit den Banken benötigt. Diese muss allerdings noch verhandelt werden“, gibt er zu Bedenken.

Wichtig sei jedoch, dass es die EZB in Betracht zieht, ihre bisherigen Grenzziehungen zu überdenken.

 


 

Die Ankündigung des neuen Ankaufsprogramms sei auf den griechischen und italienischen Anleihemärkten sehr gut aufgenommen worden. „Die Stabilisierung und dann das Nachgeben der Renditen sollte exponierten Banken helfen. Aber bereits die infolge der Maßnahmen geringere Volatilität sollte positiv wirken. Schließlich waren es vor allem die enormen Marktausschläge, die das Risikomanagement vieler Akteure antrieb“, argumentiert Galy.

Die Frage sei jedoch, ob das Kreditrisiko hinreichend absorbiert werde, ob also die bedürftigsten Unternehmen in diesen Ländern ohne ausgeglichene Steuerbilanz den Schock absorbierten.

Das besonders betroffene Italien befände sich dabei in einer schlechteren Position als Griechenland, solange nicht die Art des Programms geändert werde.

„Jetzt geht es darum, dass die Ersten ihre Bilanzen befreien können, um Carry Trades in der Peripherie auszuführen. Griechische Anleihen haben bereits stark aufgewertet. Um ihre Risikomanager zu überzeugen, benötigen Anleger allerdings das Gefühl, dass der Covid-19-Virus in Italien, Griechenland und dem übrigen Europa eingedämmt wird“, unterstreicht der Makrostratege.

Die Anleger befänden sich vor einem Punkt extremer Konvexität.

Ein Gerücht zu viel, und das gesamte Gleichgewicht werde sich deutlich verschieben, bis der Höhepunkt der Corona-Infektionen sicher vorhergesagt werden könne.

 


 

„Der Schritt der EZB ist vor allem in seinen Details sehr beeindruckend, und wie andere Zentralbanken wird sie schließlich zu einem Rahmen für die Risikoteilung bei kleinen und kleinsten Unternehmen übergehen. Wenn dies geschieht, wird es für Griechenland und Italien sehr gut aussehen. Die Banken werden sich dieser Diskussionen bewusst sein, so dass die Schritte der EZB der Entscheidung vorgreifen sollten, um den Banken bei der Finanzierung zu helfen“, schließt Galy.

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