UniCredit veröffentlicht Konjunktur- & Kapitalmarktausblick für 2011

  • Deutsche Wirtschaft wächst nicht schneller aber ausgeglichener
  • EUR-USD-Wechselkurs weiterhin volatil
  • Steigende Zinsen im zweiten Halbjahr 2011
  • Aktienmärkte: Selektive Chancen im Umfeld hoher Unsicherheit

Deutsche Wirtschaft wächst nicht schneller aber ausgeglichener

Die deutsche Wirtschaft hat im Jahr 2010 das Comeback des Jahres hingelegt. Auch wenn sich das Wachstumstempo nicht in vollem Umfang halten lässt, wird die Erfolgsgeschichte im Jahr 2011 weitergehen. Die UniCredit rechnet mit einem Plus von 2,5% nach 3,75% in diesem Jahr. “Die reine Wachstumszahl ist aber nicht das Entscheidende”, sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt in Deutschland bei der UniCredit. “Der Aufschwung wird jetzt zusehends stärker von den privaten Konsumausgaben und den Investitionen getragen. Deutschland hängt nicht mehr ausschließlich am Tropf der Exporte.” Die deutschen Konsumenten sind in den letzten Monaten aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Aufgrund der starken Belebung am Arbeitsmarkt zeichnet sich für die privaten Konsumausgaben im Jahr 2011 ein Plus von 2% ab. Dies wäre der stärkste Zuwachs seit zehn Jahren. Von der dynamischeren Binnennachfrage in Deutschland profitiert auch das europäische Ausland durch eine Steigerung seiner Exporte. Die größten Gewinner sind vor allem die mittelosteuropäischen Länder. Aber auch die EWU-Mitgliedsstaaten profitieren. Dadurch werden sich die Wachstumsdifferenzen innerhalb Europas wieder etwas verringern.

In der europäischen Schuldenkrise dürfte es keine rasche Entspannung geben. Dabei sind die Fundamentaldaten für Portugal und Spanien nicht so schlecht wie die jüngsten Turbulenzen an den Rentenmärkten vermuten lassen. Diese Länder müssen den Rettungsschirm nicht zwangsläufig in Anspruch nehmen. Im Jahr 2010 lagen die Zinskosten des spanischen Staates in Relation zur Wirtschaftsleistung unter denen der Bundesrepublik. Selbst unter sehr ungünstigen Annahmen bei Wachstum und Nettokreditaufnahme müssen Portugal und Spanien im Jahr 2015 Zinslasten tragen, die denen Mitte der 1990er Jahre entsprechen. “Spanien und Portugal haben eine realistische Chance, die Schuldenkrise aus eigener Kraft zu meistern. Man muss ihnen nur die notwendige Zeit dafür geben, damit die bereits eingeleiteten Maßnahmen bei der Haushaltskonsolidierung Wirkung zeigen”, sagt Rees.

EUR-USD-Wechselkurs weiterhin volatil

Die währungspolitische Diskussion steht derzeit im Zeichen gegenseitiger Schuldzuweisungen. So kritisiert Amerika Länder mit hohem Leistungsbilanzüberschuss, vor allem China und Deutschland, wegen ihrer aus US-Sicht einseitig exportorientierten Wachstumsmodelle und fordert implizit die Aufwertung der Währungen dieser Länder. Amerika wird umgekehrt für den massiven Kauf von Staatsanleihen und sein dauerhaftes Leistungsbilanzdefizit kritisiert. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Doch eine baldige Lösung ist nicht in Sicht: “Als Impulsgeber für den EUR-USD-Wechselkurs werden sich der anhaltende Vertrauensverlust in den Euro und die für den Dollar negativen Konsequenzen der amerikanischen Staatsanleihekäufe einander stetig ablösen”, sagt Michael Rottmann, Zins- und Währungsexperte der UniCredit. Daher erwartet die UniCredit auch im Jahr 2011 weiter starke Schwankungen und rechnet zum Jahresende mit einem EUR-USD-Kurs im Bereich von 1,45.

Japan kann nach dem G20-Gipfel im November diesen Jahres ebenso wenig mit internationaler Unterstützung rechnen wie die USA. Gegenüber dem Dollar sollte sich der japanische Yen nur minimal abschwächen, aber auch der Euro-Yen-Kurs dürfte kaum um mehr als 10 Prozent zulegen. Noch direkter wirkt die Diskussion um die Kredibilität der Länder Griechenland, Irland, Portugal, Spanien auf den Schweizer Franken. Anders als in den USA erwartet die UniCredit eine “stabile Seitenlage”. Ein Rückschlag im EUR-CHF in Richtung der bisherigen Tiefstwerte unter 1,30 ist gerade im ersten Halbjahr 2011 angesichts der Probleme im Euroraum jederzeit möglich. Die UniCredit geht aber davon aus, dass sich die globalen Wachstumsängste beruhigen und rechnet dann mit einem EUR-CHF knapp unter 1,40.

Steigende Zinsen werden im zweiten Halbjahr 2011 erwartet

Die Europäische Zentralbank hat ihre Rhetorik merklich verschärft: “Die Forderung, dass einzelne Banken nicht mehr ausschließlich an der Liquiditätsversorgung der Notenbank hängen dürfen, unterstreicht das Vorhaben der Zentralbank, ihre Ausstiegsstrategie möglichst zügig fortzusetzen”, sagt Rottmann. “Das spiegelt der laufende, erst kürzlich unterbrochene Anstieg der Geldmarktsätze wider.” Die Analysten der UniCredit bleiben allerdings skeptisch, ob sich dieser mit einer unveränderten Dynamik fortsetzen kann. Die Konjunktur einzelner Länder im Euroraum klafft enorm auseinander. Diese Bandbreite wird sich in den kommenden Quartalen wohl kaum reduzieren. Angesichts dieser Probleme rechnet die UniCredit frühestens im vierten Quartal 2011 mit Zinserhöhungen. Die Geldmarktsätze sollten ein Niveau zwischen 1,2 und 1,3% erreichen und erst mit Beginn des zweiten Halbjahres 2011 wieder ansteigen. Zu diesem Zeitpunkt dürfte die EZB beginnen, die Marktteilnehmer auf eine Leitzinsanhebung vorzubereiten. Eine Überlegung jenseits der Punktprognosen erscheint allerdings extrem wichtig: Ohne die Kredibilitätskrise in Südeuropa und Irland hätte die EZB die Leitzinsen schon längst angehoben. “Unternehmen, die den Wachstumseinbruch 2009 relativ unbeschadet überstanden haben beziehungsweise wenig anfällig gegenüber zyklischen Schwankungen sind, sollten deshalb die aktuell noch niedrigen Zinssätze nutzen, um ihren Refinanzierungsbedarf abzusichern”, empfiehlt Rottmann.

Aktienmärkte: Selektive Chancen im Umfeld hoher Unsicherheit

Der Konjunkturausblick für die Jahre 2011 und 2012 spricht für ein positives Aktienjahr 2011. Aber die Schuldenkrise in der EWU, die damit verbundenen Spannungen und Neuland in der USGeldpolitik (QE) schaffen zugleich ein Umfeld höherer Unsicherheiten und Risiken für den Aktienmarkt in 2011. In diesem Jahr ging die Performance des Aktienmarktes der Eurozone so weit auseinander wie noch nie seit dem Start der Währungsunion. Während der DAX seit Jahresanfang rund 17,5% anstieg, ist z.B. der spanische Aktienmarkt um 16,9% gefallen. Mit der jüngsten, erneuten Zuspitzung der Krise in der EWU hat sich der Einfluss von Strukturveränderungen und Sonderfaktoren auf den Aktienmarkt nochmals erhöht. Dies erschwert die Einschätzung konjunktureller Faktoren hinsichtlich ihrer Bedeutung für den mittelfristigen Aktienmarktausblick. Auch für das Jahr 2011 erwartet die UniCredit, dass sich die Wachstumsunterschiede in der Eurozone in divergierenden Revisionstrends der Gewinnschätzungen der nationalen Aktienmärkte widerspiegeln und zu Performanceunterschieden der Aktienindizes führen. “Vor diesem Hintergrund legen wir bei unseren Überlegungen besonderes Augenmerk auf die Frage, wie man mit den Unsicherheiten sinnvoll umgehen kann. Unser Bestreben ist es, Wege zu finden, möglichst verantwortungsvoll mit den Unwägbarkeiten umzugehen und gleichzeitig zumindest teilweise auch von möglichen positiven Überraschungen im Jahresverlauf profitieren zu können”, sagt Dr. Tammo Greetfeld, Aktienstratege bei der UniCredit. Besonders in den kommenden Monaten bestehen Risiken, dass die Spannungen in der EWU erneut zunehmen könnten. Die UniCredit behält in den kommenden Monate zunächst vor allem diese Risiken im Auge und setzt dabei auf relative Gewinnstabilität. Das heißt, unter den nationalen Aktienmärkten der Eurozone ist der deutsche Aktienmarkt zu bevorzugen, da er den stabilsten Gewinntrend aufweist. Bezogen auf das STOXX Europe 600 Universum setzt die UniCredit auf gewinnstabile, dividendenstarke Sektoren: Oil & Gas, Health Care, Utilities und Telecom. Diese Sektoren würden auch profitieren, wenn es zu eventuellen starken Umschichtungen von Renten in Aktien aus Dividendengründen käme. Bei den zyklischen Sektoren empfiehlt die UniCredit Chemicals und Basic Resources. Diese Sektoren profitieren aufgrund der Struktur ihrer Absatzmärkte vom Wachstum in den Emerging Markets. Sollten sich die globalen Frühindikatoren schneller als erwartet stabilisieren, würden die Performance-Aussichten des deutschen Aktienmarktes sowie der von uns übergewichteten Sektoren Chemicals, Oil & Gas und Basic Resources gestärkt werden.

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