Anleihen: Viele rechnen mit noch höheren Renditen

Der Iran-Krieg hat die Märkte weiter fest im Griff. „Die Sorgenfalten sind gestern wieder deutlich größer geworden, nachdem Angriffe auf Energieanlagen am Persischen Golf die Angst vor Versorgungsengpässen erhöht haben“, berichtet Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Zinssenkungen seien wohl vorerst vom Tisch. „Mittlerweile wird eher über Zinserhöhungen diskutiert“, erklärt Anleihehändler Rainer Petz von Oddo BHF.

Die EZB hat am Donnerstag die Leitzinsen unverändert gelassen, aber vor steigender Inflation gewarnt. „Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt“, erklärte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Die EZB erwartet nun höhere Inflationsraten als bislang, für 2026 zum Beispiel 2,6 statt 1,9 Prozent. Am Terminmarkt wird inzwischen mit mehreren Zinserhöhungen der EZB in diesem Jahr gerechnet.

Auch andere Notenbanken ließen die Leitzinsen unverändert, etwa in den USA, Japan, der Schweiz und Großbritannien. Die US-Notenbanker signalisierten für den Rest des Jahres jetzt nur noch eine Zinssenkung. Zuvor waren am Markt zwei Zinsschritte erwartet worden.

 

„Deutlich niedrigere Renditen erst mit Kriegsende“

Die als sicher geltenden Bundesanleihen und US-Staatsanleihen verlieren weiter. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren am Freitagmittag mit knapp 3 Prozent – ein Zweieinhalbjahreshoch.

„Viele sehen die 3 Prozent nur als Durchgangsstation und rechnen mit noch höheren Renditen“, bemerkt Anleihehändler Arthur Brunner von der ICF Bank. „Deutlich niedrigere Renditen dürfte es erst wieder geben, wenn der Krieg endet oder es zu einem spürbaren Abbau der Spannungen käme“, kommentiert Hauke Siemßen von der Commerzbank.

Im Handel mit Staatsanleihen sind Bonds von Rumänien mit Laufzeit bis 2036 und 5,625-Kupon (XS2770921315) gefragt, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierbank berichtet.

 

Lanxess und Formycon verlieren

Bei Unternehmensanleihen halten sich Daniel zufolge Käufe und Verkäufe die Waage. „Das gilt für alle Laufzeiten und Branchen.“ Währungsanleihen seien zudem weiter gefragt. Die jüngsten Geschäftszahlen des Kölner Spezialchemiekonzerns Lanxess führten nicht nur zu einem zu Kursrückgang der Lanxess-Aktie auf ein Siebzehnjahrestief. Auch die noch bis Oktober laufende Anleihe mit 1 Prozent-Kupon (XS1501367921) wurde abgestoßen, wie Daniel berichtet.

Deutlich nach unten ging es auch für Formycon. Das Biosimilar-Unternehmen verschob die Veröffentlichung des testierten Jahres- und Konzernabschlusses 2025. „Das sorgt für Unsicherheit“, stellt Daniel fest. Der Kurs der bis 2029 laufenden Anleihe (NO0013586024) fiel von 93 auf 82 Prozent, was eine Rendite von fast 15 Prozent ergibt.

Ebenfalls hohe Verluste gab es bei Air Baltic, der lettischen Fluglinie. Der Kurs der 2029 fälligen Anleihe mit Kupon von 14,5 Prozent ist von 87 auf 64 Prozent gefallen. „Hintergrund dürften Ausfälle der Flüge in oder über den Nahen Osten sein“, bemerkt Daniel. „Der Nahostkonflikt hat die Kerosinpreise in Europa verdoppelt und in Asien um fast 80 Prozent in die Höhe getrieben.“

 

Mutares mit Covernant-Verletzung

Bewegung gab es laut Brunner bei den beiden Anleihen der Beteiligungsgesellschaft Mutares (NO0013325407, NO0012530965) nach Vorlage der Geschäftszahlen. „Die Zahlen sind auf den ersten Blick zwar gut, eine Finanzkennzahl (Covernant) aus den Anleihebedingungen wurde aber verletzt.“ Mutares will die Gläubiger nun um einen Verzicht auf die Einhaltung der Kennzahl bitten und bietet dafür eine Prämie von 1,5 Prozent des Nominalvolumens. Die eine Anleihe legte zu, die andere gab nach.

 

Deutsche Post: Kleinanlegerfreundliche Stückelung

Neu auf den Markt kam die Deutsche Post mit zwei Bonds, wie Petz von Oddo BHF berichtet: der eine läuft bis 2034 und bietet 3,75 Prozent (XS3320740320), der andere bis 2030 und 3,25 Prozent (XS3320729869). Die Mindestanlagesumme liegt bei 1.000 Euro. „Beide notieren wegen der Unsicherheiten am Markt etwas unter 100 Prozent“, erklärt er.

Der Kleinstkreditanbieter Multitude hat zudem eine unbefristete Hybridanleihe (NO0013726893) im Volumen von 70 Millionen Euro platziert, wie Brunner erklärt. Diese wird mit 3-Monats-EURIBOR plus 8,90 Prozent verzinst, aktuell ergibt das gut 11 Prozent. „Die Nachfrage war sehr gut.“

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