Anleihen: Französische Staatsanleihen unter Druck – nächste Woche neue Höchststände?
US-Präsident Donald Trump hat den von Fed-Chef Jerome Powell am vergangenen Freitag ausgelösten Run auf amerikanische Staatsanleihen erst mal gestoppt. Powell öffnete in seiner Rede auf der Notenbankkonferenz in Jackson Hole die Tür für eine Zinssenkung im September und verwies dabei auf Risiken für den Arbeitsmarkt.
Die US-Anleihekurse stiegen deutlich, die Rendite der zehnjährigen Treasurys sank von 4,35 auf 4,20 Prozent.
Für die anschließende Gegenbewegung macht Elmar Völker die Entlassung des Fed-Direktoriumsmitglieds Lisa Cook durch den US-Präsidenten verantwortlich.
„Mit seinem präzedenzlosen Schritt zündet Trump eine neue Eskalationsstufe in seinem Bestreben, die Unabhängigkeit der US-Notenbank zu untergraben. Diesbezügliche Ängste der Anleger sind mithin neuerlich angefacht worden“, erklärt der Analyst der LBBW.
Senkt die Fed in Kürze die Zinsen?
Um die Währungshüter ernsthaft ins Grübeln zu bringen, sei jedoch „eine umfassenden Relativierung des Schwäche-Signals vom Juli“ nötig.
Der Anleihe-Experte nennt als konkrete Voraussetzung ein Stellenplus deutlich oberhalb von 100.000, geht selbst aber lediglich von einem Zuwachs zwischen 50.000 und 75.000 Stellen aus. Eine Zinssenkung würde damit noch wahrscheinlicher werden.
Der von Trump nominierte und als möglichen Nachfolger von Powell gehandelte Fed-Gouverneur Christopher Waller befürwortet eine Reduktion der US-Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte im September und rechnet mit weiteren Senkungen in den kommenden drei bis sechs Monaten. Auch ein größerer Zinsschritt wäre denkbar, falls der Arbeitsmarktbericht eine deutliche Schwäche zeigt und die Inflation niedrig bleibt.
Waller hatte sich schon bei der jüngsten Fed-Sitzung im Juli für eine Lockerung der Geldpolitik plädiert, um die Beschäftigung zu fördern.
Französische Anleihen mit Risikoaufschlägen
Die Rendite zehnjähriger französischer Bonds, OAT für obligations assimilables du trésor genannt, stieg von 3,41 Prozent in der Spitze bis auf 3,54 Prozent, konnte sich zum Wochenschluss aber wieder leicht auf 3,49 Prozent ermäßigen.
Neue Zuflüsse in Anlagen mit mehr Sicherheit trieben die Kurse deutscher Bundesanleihen nach schwachem Wochenstart ins Plus. Die Rendite der zehnjährigen Bonds liegt am Freitagvormittag bei 2,71 Prozent nach 2,76 Prozent in der Vorwoche.
Martin Hartmann von der Commerzbank fürchtet, dass der Renditeaufschlag der französischen Staatsanleihen in der kommenden Woche weitere Höchststände erreicht:
„Da die Unsicherheit groß bleibt, wenn die Vertrauensfrage scheitert, könnten die Spreads noch weiter steigen“.
Sinkender Bierkonsum belastet
Im Segment der Unternehmensanleihen stand zur Wochenmitte die bis 2029 laufende Anleihe der Karlsberg Brauerei GmbH (NO0013168005) unter Druck, nachdem das Unternehmen seine Jahresprognose senken musste. „Die Anleger haben darauf mit Verkäufen reagiert“, erklärt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Der Kurs fiel von 108 Prozent auf unter 106 Prozent.
Deutliche Verluste erlitt zudem der 2028 fällige Bond der LR Health & Beauty SE (NO0013149658), dessen Kurs von 93 Prozent auf 86 Prozent abstürzte. Daniel verweist als Begründung auf eine Meldung, wonach der Vorstand vorsorglich mit den Gläubigern über Änderungen der Anleihebedingungen verhandeln will. Hintergrund ist eine womöglich zu hohe Nettoverschuldung des Unternehmens zu einem festgelegten Stichtag Ende September.
E.ON mit zwei neuen Anleihen
Gute Nachfrage sieht Daniel hingegen für einen bis 2031 laufenden Bond von MTU (XS2887896574), der aktuell mit 3,2 Prozent rentiert. „Diese Anleihe ist beliebt und wird ständig gekauft“. Mit dem Ende der Sommerferien sieht Raffaele Antacido von der ICF Bank neuen Schwung am Primärmarkt: Unternehmen nutzen ihn, um frisches Kapital aufzunehmen. Als Beispiel nennt er Anleihen von Air France (<FR0014012HT4>) und EON (<XS3171594636> bzw. XS3171591889).
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