USA: Solides Wachstum, aber fragiler Arbeitsmarkt
In der ablaufenden Woche haben die Statistiker vom Bureau of Economic Analysis (BEA) ihre jährliche Benchmark-Revision der Wachstumszahlen vorgenommen. Verglichen mit vergangenen Jahren hielten sich die Anpassungen diesmal in Grenzen. Böse Zungen könnten behaupten, dass hier das Schicksal der Chefin des Bureau of Labor Statistics (BLS), die wegen Datenrevisionen von Präsident Trump entlassen wurde, eine Rolle gespielt hat.
Starker Dienstleistungssektor hebt US-BIP im Q2 auf 3,8%
Auch für Q3 sehen die Monatsindikatoren – vor allem was das BIP insgesamt angeht – besser aus, als noch vor ein paar Wochen erwartet. Dazu tragen die Importe bei, die negativ ins BIP eingehen. Sie dürften im Q3 erneut deutlich gefallen sein. Die Normalisierung nach dem von den drohenden Zöllen ausgelösten Vorzieheffekt im Q1 dauert also an.
Vor dem Hintergrund der geänderten Istwerte und der größeren Dynamik im ablaufenden Quartal passen wir unsere Schätzung für das US-BIP 2025 von 1,7% auf 1,9% leicht nach oben an. Für 2026 bleibt unsere Prognose bei 1,7%.

Die BIP-Zahlen des BEA sind allerdings ein Blick in den Rückspiegel für einen Zeitraum, der im Juni 2025 endet. In der Berichtswoche stehen nun Informationen zur konjunkturellen Lage am aktuellen Rand auf dem Programm, vor allem der Arbeitsmarktbericht und die ISM-Einkaufsmanagerindizes für den September.
Regionale US-Stimmungsindizes weiter extrem volatil
Für den nationalen Industrie-ISM rechnen wir für September mit einem nur wenig veränderten Stand, leicht unterhalb der Expansionslinie von 50 (49,0). Im Dienstleistungssektor dürfte der Index von 52 auf 51 nachgeben.
Geringe Neueinstellungen trüben US-Arbeitsmarktbild
Trotz des unangenehm hohen Inflationsdrucks (annualisierte Dreimonatsdynamik des Kern-CPI im August: 3,7%) hat die Fed Mitte des Monats den Leitzins gesenkt. Dies reflektiert die Annahme der Geldpolitiker, dass der Preisschub durch die Zollpolitik Präsident Trumps nur einen „transitorischen“ Effekt auf die Inflation hat. Hoffentlich sind sie diesmal damit treffsicherer als hinsichtlich der Späteffekte der Pandemie im Jahr 2021. Ausschlaggebend für die geldpolitische Lockerung war aber die Lage am Arbeitsmarkt.
Hier ist die Situation komplex, denn obwohl der Stellenaufbau fast zum Erliegen gekommen ist, steigt die Arbeitslosigkeit kaum. Das Schaubild illustriert dies: Trotz eines zuletzt drastisch niedrigeren Jobaufbaus als noch 2024 stieg die Quote damals wegen des starken Anstiegs der Erwerbspersonenzahl durch die Zuwanderung zeitweise mehr an als derzeit.
Dies ist eine Folge der drastischen Abschwächung des Arbeitskräfteangebots durch die Einwanderungspolitik. Schätzungen für den aktuellen „Break-Even“-Stellenaufbau liegen bei nur 0 bis 50.000 pro Monat.
Dennoch ist Vorsicht angebracht, denn der derzeit sehr niedrigen Entlassungsrate steht auch eine äußerst geringe Einstellungsrate gegenüber. Sollten sich die Unternehmen, zum Beispiel wegen der erhöhten politischen Unsicherheit, für einen Stellenabbau entscheiden, würde die Nettoveränderung der Beschäftigten abrupt ins Minus drehen – und die Arbeitslosenquote kräftig steigen.

Jobdaten signalisieren keine akute US-Rezessionsgefahr
Der Stellenaufbau dürfte mit rund 50.000 erneut verhalten und die Arbeitslosenquote bei 4,3% stabil sein – sie bleibt damit sehr nah beim „Vollbeschäftigungsniveau“, das der Median der FOMC-Mitglieder der Fed derzeit bei 4,2% sieht. Auch die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenhilfe senden bislang (Woche bis zum 20. September: 218.000) keine Zeichen, dass sich die Lage plötzlich verschlechtert.
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