Short Squeeze: David gegen Goliath an der Börse

EVERGREEN: Es ist vermutlich bereits jetzt eine der verrücktesten Börsengeschichten des Jahres: Auf dem Rücken des amerikanischen Videospiel-Händlers GameStop tragen junge Amateur-Spekulanten zurzeit einen Machtkampf mit institutionellen Trading-Profis aus.

Hedgefonds setzten zuletzt mithilfe von Leerverkäufen (“Short Selling”) auf fallende GameStop Aktienkurse. Über Internet-Foren organisierte Privatanleger ließen den Aktienkurs des in wirtschaftliche Schieflage geratenen Unternehmens jedoch seit Jahresbeginn um über 2000 % nach oben springen.

Das hier stattfindende Börsenphänomen heißt Short Squeeze. Konkret bedeutet dies, dass die institutionellen Anleger ihre offenen Leerverkaufs‑Positionen schließen müssen, um aufgrund der falschen Annahme über die Kursentwicklung ihren finanziellen Schaden zu begrenzen. Dieser Vorgang resultierte in einem Nachfrageüberschuss nach GameStop, was den Aktienkurs des Unternehmens noch weiter nach oben katapultierte.

 


 

Mittlerweile geraten sogar die von den kurzfristigen Tradern beliebten Neo-Broker wie Robinhood und Trade Republic in Schwierigkeiten. Das extrem hohe Handelsvolumen sorgte bei Trade Republic und den angeschlossenen Handelsplätzen für eine zeitweise Überlastung und eine Einschränkung des Handels. Robinhood musste sich zudem frisches Kapital besorgen, um gestiegene Sicherheitsleistungen zu bedienen.

Wie lange dauert es, bis die entstandene Blase platzt? Spekulationsblasen zeigen seit hunderten von Jahren ein immer wiederkehrendes Muster: nach der Bubble kommt der Crash.

Es bleibt zu hoffen, dass das Finanzsystem als Ganzes nicht zu viel Schaden nimmt.

 

Stimmungsschwankungen

Auf die Party  folgt die Achterbahnfahrt: Nach anfänglicher Katerstimmung zum Wochenbeginn wechselten sich die Vorzeichen der US-Aktienmärkte im weiteren Wochenverlauf ab. Während die großen Tech-Unternehmen wie Apple und Facebook Rekordumsätze verzeichneten, konnten andere Unternehmen nur durchwachsene Zahlen vorlegen.

Unsicherheit der Anleger wurde auch durch Gerüchte über ein kleiner ausfallendes US-Konjunkturpaket ausgelöst. Weiterhin verkündete die US-Notenbank FED, an dem aktuell niedrigen Zinsniveau festzuhalten, während die US-Regierung ein BIP-Wachstum für das letzte Quartal 2020 von 4 % veröffentlichte. Für das gesamte Corona-Jahr 2020 bedeutet das allerdings auch einen Einbruch der US-Wirtschaft von 3,5 % – der größte Einbruch seit 1946.

Auch die Anleger an den europäischen Aktienmärkten erlebten eine durchwachsene Woche: Neben der weiterhin angespannten Corona-Situation laufen auch die europäischen Impfkampagnen schleppend an. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex der deutschen Wirtschaft – fiel von 92,2 auf 90,1 Punkte und verdeutlichte die eingetrübte Stimmung.

Die derzeitige stärkere Schwankungsbewegung an den Aktienmärkten zeigt sich beispielhaft im Volatilitätsindex VIX. Der Index drückt die erwartete Schwankungsbreite bzw. Volatilität des S&P 500 Index aus und stieg diese Woche auf ein 3‑Monats-Hoch – wird sich die Nervosität der Anleger, angetrieben von den Short Squeeze-Machtkämpfen, wieder beruhigen oder wird es wieder turbulenter an den Märkten?

 

 

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