Anleihen: Kursgewinne – dank Rückenwind vom Ölpreis
Nervosität an den Aktienmärkten wegen KI-Sorgen, Entspannung an den Anleihemärkten. „Die Anleihemärkte profitieren von den volatilen Aktienmärkten“, berichtet Arthur Brunner von der ICF Bank. Zudem sind Inflations- und Zinserhöhungssorgen wegen des Ölpreisrutsches zurückgegangen.
Ganz vom Tisch sind die Inflations- und Zinserhöhungssorgen aber noch nicht. „Die am Donnerstag veröffentlichten US-Inflationsdaten für Mai zeigten, dass der Preisdruck in den USA vor der jüngsten Entspannung im Nahostkonflikt deutlich zunahm“, berichtet LBBW-Analyst Sandro Pannagl. Zumindest hätten die Zahlen aber keine stärker als erwartete Beschleunigung gezeigt.
Britische Renditen fallen noch mehr
Noch deutlich nach unten ging es für Renditen britischer Gilts, wie Commerzbank-Analyst Pascal Reichert feststellt. „Zu dem fallenden Ölpreis kam noch der Rückzug von Premier Keir Starmer. Der voraussichtliche Nachfolger Andy Burnham hatte im Vorfeld bereits signalisiert, dass er die bestehenden Haushaltsregeln nicht anpassen wolle“, erläutert er.
Die Anleihemärkte preisten damit zunehmend die politische Unsicherheit in Großbritannien aus. Zehnjährige Gilt-Renditen liegen nach über 5 Prozent in der Spitze Mitte Mai jetzt unter 4,7 Prozent.
„Umsätze sommerbedingt überschaubar“
Im Handel geht es insgesamt ruhig zu. „Die Umsätze sind so dünn, selbst das Erdbeben in Venezuela hat nicht für Verkaufsaufträge gesorgt“, erklärt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. „Die Umsätze sind sommerbedingt überschaubar“, meldet auch Brunner. Eine anhaltend gute Nachfrage sieht Brunner für die 2034 fällige Telekom-Anleihe, die aktuell eine Rendite von 3,2 Prozent bietet (XS2024716099). Unter Abgabedruck bleibe ABO Energy (DE000A3829F5) mit Kursen um 15 Prozent.
Einiges an Bewegung gab es Daniel zufolge in der 2011 begebenen Golden Gate-Anleihe (DE000A1KQXX5). Die war schon 2014 fällig, wurde aber nicht zurückgezahlt. Das Landgericht München hat nun eine Millionenforderung gegen den ehemaligen Geschäftsführer Uwe Rampold bestätigt. Der habe sich rechtsverbindlich zur Ausstattung der Golden Gate verpflichtet. „Diese Nachricht hat am gestrigen Donnerstag für einen Kurssprung von 33 auf 50 Prozent gesorgt“, berichtet Daniel. Am Freitagmorgen liegt der Kurs bei 45 Prozent.
SpaceX: „Investorennachfrage groß“
Laut Financial Times muss SpaceX allerdings höhere Zinsen zahlen als Unternehmen mit ähnlichem Rating. „Die Entscheidung von SpaceX, kurz nach der Aufnahme von 86 Milliarden US-Dollar durch seinen rekordverdächtigen Börsengang eine Anleiheemission im Wert von 25 Milliarden US-Dollar aufzulegen, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die Märkte in ‚Blasengebiet‘ begeben“, zitiert die Zeitung Allianz-Chief Investment Officer Ludovic Subran.
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