Bank of Japan hebt Zinsen auf höchsten Stand seit 2008
Entgegen dem globalen Trend hin zu einer lockereren Geldpolitik zurrt die japanische Notenbank den Zinsgürtel enger: Die Bank of Japan (BoJ) hat ihren kurzfristigen Leitzins von 0,25 auf 0,5 Prozent und damit auf das höchste Niveau seit der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 angehoben, wie die Notenbank am Freitag nach ihrer zweitätigen Sitzung in Tokio mitteilte.
Die Entscheidung im geldpolitischen Ausschuss fiel mit acht zu eins Stimmen – lediglich das Mitglied Toyoaki Nakamura stimmte dagegen.
Nach jahrzehntelanger Deflationsbekämpfung signalisiert dieser Schritt die Bestätigung des geldpolitischen Strategiewechsels, der im März vergangenen Jahres mit einer ersten Zinserhöhung seit seinerzeit 17 Jahren eingeleitet worden war.
Notenbankchef Kazuo Ueda betonte, künftige Zinsschritte würden flexibel und datenbasiert erfolgen.
„Wir haben keine vorab festgelegte Vorstellung“, sagte er auf der Pressekonferenz. Man werde die Entscheidung von Sitzung zu Sitzung treffen und dabei die jeweils verfügbaren Konjunkturdaten berücksichtigen.
Weitere Zinserhöhungen wahrscheinlich
Viele Analysten gehen deshalb davon aus, dass die Währungshüter ihren Leitzins kontinuierlich auf rund 1 Prozent anheben werden – ein neutrales Niveau, das nach Einschätzung von Ökonomen die Wirtschaft weder überhitzen noch belasten dürfte.
„Die Wahrscheinlichkeit, dass wir unsere Prognose erreichen werden, ist gestiegen“, erklärte die BoJ zu den Inflationsaussichten.
„Die Zinserhöhung war zwar erwartet worden“, kommentierte Matt Simpson, leitender Marktanalyst bei City Index.
Doch zum ersten Mal seit langer Zeit habe es keine größeren Abwärtsrevisionen der Konjunkturaussichten gegeben.
„Damit bleibt die Tür für eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte bis zum Jahresende offen.“
Japan, nach den USA, China und Deutschland die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, kämpfte jahrelang gegen die Deflation – mit einer extrem expansiven Geldpolitik und einer massiven Ausweitung der Geldmenge.
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