Feuer frei im Währungskrieg – Peking manipuliert den Yuan nach unten

Bernstein Bank: Die wichtigsten Notenbanker der Welt tagen in Jackson Hole. Doch während sich die Welt auf klare Aussagen der US-Notenbank in Sachen Rezession fokussiert, könnte ein ganz anderes Thema wirklich wichtig werden. China hat offenbar gezielt den Yuan gegenüber dem Dollar auf ein Elfjahrestief abgewertet. Damit werden chinesische Exporte billiger.

Die USA könnten im Währungskrieg zurückschießen und dabei auch die Fed einspannen.

 

Yuan auf Elfjahrestief
Kein gutes Vorzeichen für die laufenden Verhandlungen im Zollstreit zwischen China und den USA: Der chinesische Yuan ist gerade auf ein frisches Elfjahres-Tief zum Dollar gerutscht. Wieder hat der Yuan die Rote Linie von 7 zum Dollar überschritten. Am gestrigen Donnerstag sank die chinesische Währung auf 7,09 zum Greenback. Wobei das Fixing des inländischen Yuan durch die chinesische Zentralbank als auch der internationale Counterpart pari liefen.

Peking wertet offenbar die heimische Währung gezielt ab, um die negativen Effekte aus den US-Zöllen zu unterlaufen. Ein schwacher Yuan verbilligt die chinesischen Exporte in die USA. Wir hatten eine solche Entwicklung übrigens an dieser Stelle schon vorausgesehen.

 

 

Peking manipuliert den Yuan nach unten
Peking hat also zum einen die Druckerpresse angeworfen; zum anderen pumpt das Reich der Mitte über billige Kredite und Stimuli viele Devisen in die heimische Wirtschaft. Dass dahinter ein gewünschter politischer Schritt steckt, zeigt die Tatsache, dass die chinesische Devise stärker gegenüber dem Greenback fällt, als gegenüber anderen wichtigen Währungen, wie das Finanzblog „ZeroHedge“ urteilte.

Offenbar kaufen also große chinesische Adressen gezielt Dollar und verkaufen dagegen Yuan.

 

Der Dollar ist überbewertet
Große Investmentbanken halten übrigens den Dollar generell für überbewertet. In einem Exkurs, der sehr schön die Möglichkeiten der USA gegen China aufzeigte, stützte die Bank of America (BoA) im Juni die wiederholten Klagen von US-Präsident Donald Trump, wonach der Dollar zu stark sei. Laut der BoA ist der Dollar verglichen mit dem Korb anderer wichtiger Währungen um 13 Prozent zu fest, wenn der langfristige Durchschnitt der Real Effective Exchange Rate (REER) herangezogen werde. Der Grund: Die US-Wirtschaft wachse schneller als die der meisten Handelspartner.

Demnach bleiben drei Möglichkeiten, den Dollar zu schwächen:

  1. verbale Intervention
  2. Zinssenkung
  3. direkte Intervention

1) und 2) sind gelaufen. Bleibt 3). Dafür könne die US Treasury die New Yorker Fed anweisen, direkt einzugreifen. Was die NY Fed seit 1996 übrigens nur dreimal getan hat: 1998 kaufte sie Yen, im September 2000 kaufte sie Euro und im März 2011 erwarb sie erneut Yen.

 

 

Kommt jetzt die Intervention?
Mitte der 80er hatte übrigens der „Plaza Accord“ – so genannt nach dem Plaza Hotel in New York – mehrfach eingegriffen und den Dollar abgewertet. Mitglieder des Clubs waren die G5: USA, Deutschland, Japan, Großbritannien und Frankreich. Ist es nun wieder soweit? Standard Chartered sinnierte im Juli, die USA könnten bei einer Intervention Devisenreserven in Höhe von rund 127 Milliarden Dollar einsetzen, der Exchange Stabilization Fund (ESF) verfüge über weitere 95 Milliarden. Eine US-Intervention werde aber eine Reaktion anderer Notenbanken nach sich ziehen und den Effekt aufweichen.

Zumal sich die G20-Staaten auf einen Verzicht von Abwertungen geeinigt hatten; allerdings seien Ausnahmen erlaubt.

Wir meinen: Die USA werden versuchen, die anderen Länder zum Stillhalten zu bewegen, um den Chinesen eine Lektion zu erteilen.

Wofür Jackson Hole genau das richtige Ambiente bieten dürfte.

Die Historie des „Plaza Accord“ deutet darauf hin, dass Amerika nicht alleine vorgehen will.

 

Möglicher Gegenschlag bei Renminbi
Und was, falls doch? Morgan Stanley urteilte diese Woche, der Markt unterschätze die Leichtigkeit, mit der die USA einseitig intervenieren könne. Alleine die US-Regierung habe rund 68 Milliarden US-Dollar zur freien Verfügung; um darüber hinaus Ressourcen zu aktivieren müssten der Kongress oder ausländische Partner eingeschaltet werden.

Ein Eingriff wäre wohl gar nicht so schwer, die Fed könne einfach den gesamten, relativ illiquiden internationalen Renminbi-Markt aufkaufen, sinnierte der auf Devisen spezialisierte Trader R5FX. Und er erwartet für diesen Fall eine heftige Reaktion von Peking. China müsste wohl seine Dollar-Reserven angreifen und wahrscheinlich US-Treasuries verkaufen, um die heimische Währung wieder zu schwächen.

 

Washington ist gereizt
Egal ob uni- oder multilateral und gleich in welcher Höhe: Dass die Amerikaner den Chinesen nicht ewig tatenlos zusehen, deuten unter anderem Tumps Twitter-Tiraden an, der China (aber auch Europa) schon mehrfach vorwarf, „Währungsspielchen“ zu spielen. Vorigen Monat teilte US-Finanzminister Steven Mnuchin mit, es gebe „aktuell“ keinen Wechsel in der amerikanischen Währungspolitik; das könne sich in Zukunft aber ändern.

Anfang dieses Monats schließlich brandmarkte sein Ministerium, die US Treasury, die Volksrepublik offiziell als Währungsmanipulator, nachdem die chinesische Zentralbank den Renminbi erstmals seit 2008 unter die Marke von 7 gegen den Dollar rutschen ließ. Und nun also der wiederholte Affront – das kann kein gutes Ende nehmen…

 

 

Peking wird nervös
Auch die Chinesen ahnen offenbar, was kommt. Die „Financial Times“ berichtete gerade, ein leitender Angestellter einer chinesischen Bank in London sehe die Möglichkeit einer Intervention im Offshore-Renminbi-Markt. Und der Manager, der anonym bleiben wollte, warnte demnach vor ernsten Konsequenzen. China werde eine Währungsintervention als feindlichen politischen Akt werten, dies werde die Märkte umher wirbeln.

Der Fallout werde bislang ungeahnte Folgen haben.

Unser Fazit:
Im Devisen- und Anleihemarkt könnte es in Zukunft richtig spannend werden. China hat den Währungskrieg eröffnet, die USA dürften reagieren. Und ein offener Währungskrieg hätte natürlich auch Auswirkungen auf die Wall Street, weil ein Abkommen im Zollstreit in weite Ferne rückt. Short oder long – wenn Sie CFD handeln, sollten Sie Ihre regelmäßigen Marktupdates in der Angelegenheit im Blick behalten.

 

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