Kauflaune in Frankfurt – Peking signalisiert Verhandlungswillen

Bernstein Bank: Die Bullen geben die Kontrolle an der deutschen Börse nicht aus der Hand. Zur Wochenmitte sorgen Entspannungssignale aus China im Zollstreit mit den USA für neuen Optimismus. CFD-Trader, die im Energiemarkt aktiv sind, blicken außerdem gespannt auf die jüngsten Ereignisse bei Erdöl – hier tut sich einiges.

 

Der DAX klettert nach oben
Die Erholung am Frankfurter Aktienmarkt setzt sich fort: Im frühen Mittwochshandel notierte der deutsche Leitindex 0,8 Prozent fester bei 12.372 Zählern. Am gestrigen Dienstag hatte der DAX eine Kehrtwende vollzogen, seine Verluste wieder ausgeglichen und im Plus geschlossen. Trotz der anstehenden Wortmeldung der Europäischen Zentralbank am morgigen Donnerstag griffen die Anleger wieder zu.

Viele Broker hofften zudem genau wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) auf staatliche Stimuli.

Das DIW hat ein milliardenschweres staatliches Investitionsprogramm gefordert, um eine mögliche Rezession in Deutschland zu verhindern. Der Staat solle über 15 Jahre 30 Milliarden Euro an zusätzlichen öffentlichen Investitionen ausschütten.

 

Peking signalisiert Verhandlungswillen
Weiter sandte Peking im Zollstreit eine Geste des guten Willens in Richtung Washington. China legte eine Liste von 16 US-Produkten vor, die von Strafzöllen ausgenommen werden sollen. Darunter sind Medikamente gegen Krebs, medizinische Ausrüstung und Chemikalien. Die staatliche Zeitung „Global Times“ sprach von einer „Geste des guten Willens“ im Handelsstreit, bevor beide Seiten Anfang Oktober wieder Verhandlungen aufnehmen.

 

 

Der mit dem kommunistischen Machtapparat bestens vernetzte Chefredakteur Hu Xijin twitterte, China tue dies, um die negativen Folgen eines Handelskrieges abzumildern, die Entscheidung nütze sowohl Firmen aus der Volksrepublik als auch aus den USA. Die ebenfalls staatsnahe „South China Morning Post“ ergänzte, die Ausnahmen sollen ab dem 17. September greifen.

Da allerdings auch Molke und Fischmehl auf der Liste stehen – beide dienen als Tierfutter – belegt der Schritt auch die Not in China, wo die Schweinepest wütet und die Fleischpreise explodieren. Zudem steht Peking einer drohenden Abwanderung amerikanischer Firmen gegenüber. Der US-Fernsehsender CNBC berichtete von einer Umfrage der American Chamber of Commerce in Shanghai.

Laut der Handelskammer fürchten viele US-Firmen einen Einbruch der Geschäfte durch die Zölle und wollen sich so schnell wie möglich aus China zurückziehen. Befragt wurden 333 amerikanische Unternehmen im Reich der Mitte.

Die Reaktion auf die jüngste Entwicklung fiel unterschiedlich aus:
Der chinesische CSI-300 setzte um 0,7 Prozent zurück auf 3.930 Punkte. In Tokio dagegen schloss der Nikkei 225 um 1 Prozent höher bei 21.598 Zählern.

 

Späte Aktivität in New York
Die Anleger in New York hatten sich am Vorabend erst spät aus der Deckung getraut. Der Dow Jones rettete zur Schlussglocke ein Plus von 0,3 Prozent auf 26.909 Zähler. Der S&P 500 schloss kaum messbar in der Gewinnzone bei 2.979 Punkten; dagegen sank der Nasdaq 100 um 0,2 Prozent auf 7.815 Stellen.

 

Hausse-Signale bei Erdöl
Gleich mehrere Faktoren machen Erdöl derzeit für CFD-Trader interessant – hier steigt die Volatilität, einiges könnte auf einen steigenden Ölpreis hindeuten. Zunächst rutschten die Notierungen ab, nachdem US-Präsident Donald Trump den Nationalen Sicherheitsberater John Bolton entlassen hatte. Der Super-Falke gilt als extremer Hardliner gegenüber dem Iran.

 

 

Allerdings diskutiert die Branche gerade eine Analyse von Raymond James & Associates, wonach die US-Ölindustrie am Ende ihres Weges in Sachen Produktivität steht. Die Fördermenge steige wesentlich schwächer als erwartet, berichtete die Investmentbank. Die Produktionsrate für die ersten 30 Tage der Förderung (IP-30) habe sich um bis zu 40 Prozent zu Beginn der Dekade gesteigert.

IP-30 sei aber in 2017 auf 11 Prozent gesunken, habe sich 2018 auf 15 Prozent erholt und sei in den ersten sieben Monaten des Jahres 2019 auf 2 Prozent eingebrochen, berichtet Raymond James.

Außerdem könnte Saudi-Arabien für eine Einschränkung der OPEC-Fördermenge sorgen. Viele Broker vermuten, dass die Saudis wegen des Börsengangs von Saudi Aramco dringend einen höheren Ölpreis brauchen. Vielleicht erhalten wir schon Klarheit von der aktuell laufenden Energiekonferenz in Abu Dhabi – sie sollten daher die regelmäßigen Marktupdates auf Ihrer Handelsplattform im Auge behalten.

Zudem wird heute der Monatsbericht der OPEC veröffentlicht.

Und ferner stehen um 16.30 Uhr die wöchentlichen US/Rohöllagerbestandsdaten der staatlichen Energy Information Administration (EIA) an.

 

Das bringt der Tag
Ansonsten steht mit den US-Erzeugerpreisen für August um 16.30 Uhr nur ein wirklich wichtiger Termin auf der Tagesordnung.

 

 

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