Peking macht Hoffnung – Kein (chaotischer) Brexit

Bernstein Bank: Neuer Optimismus auf dem Frankfurter Parkett: Ein Handelskrieg zwischen dem Reich der Mitte und den USA scheint abgewendet. So lauten zumindest die jüngsten Signale, die Peking gerade aussandte. Zudem stehen die Zeichen in Italien und in Großbritannien nicht mehr auf Sturm.

Selbst die deutsche Industrie stoppte die Kauflaune nicht.

 

Gewinne an der deutschen Börse
Die Aktionäre in Frankfurt greifen wieder zu: Eine handzahme Regierung in Rom, die Brüssel keinen Ärger macht; Niederlagen für die Brexit-Hardliner in London; und vor allem Entspannungssignale aus China in Sachen Zollstreit mit den USA sorgten am frühen Donnerstag für Kauflaune. Der DAX kletterte 0,8 Prozent bis auf 12.126 Zähler. Auch schlechte Zahlen der deutschen Industrie stoppten den Trend nicht: Das Auftragsvolumen im Juli ist im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent gesunken, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

 

Kein (chaotischer) Brexit
Am Devisenmarkt stand weiter das britische Pfund im Fokus. In den hämischen deutschen Medien wurden die Ereignisse in London gefeiert – viele Broker freuten sich angeblich, dass es nun keinen chaotischen Brexit gebe. Das geplante Gesetz gegen den ungeregelten EU-Austritt soll Premier Boris Johnson dazu zwingen, eine Verlängerung der am 31. Oktober auslaufenden Frist um drei Monate zu beantragen, falls bis zum 19. Oktober kein Abkommen mit der EU ratifiziert ist. Tatsächlich dürfte sich der Eiertanz um den Brexit wegen der Parlamentsrevolte nun unendlich hinziehen.

Denn Brüssel kann sich darauf verlassen, dass die Opposition in London eine harte Verhandlungslinie der Regierung des Vereinigten Königreiches hintertreibt.

Die Eurokraten müssen sich mit diesem Parlament nur zurücklehnen und gar nichts tun, um den Brexit auszuhebeln.

Vermutlich wird es nicht nur keinen chaotischen Brexit geben, sondern gar keinen.

 

 

De facto hat damit eine kleine, elitäre britische Funktionärskaste den Willen des eigenen Volkes ignoriert und Großbritannien an Brüssel ausgeliefert.

Und wie erwartet, hatten die Abgeordneten nicht den Mut, sich erneut dem Verdikt des Wählers zu stellen, weil sie ihre Pfründe nicht verlieren wollten – Neuwahlen sind vom Tisch. Oder doch nicht? Wenn Johnson die Vertrauensfrage stellt und verliert, wird neu gewählt. Dann wird Labour vernichtet, wenn die jüngsten Umfragen rechtbehalten.

Also:
Überraschungen sind bei diesem Thema jederzeit möglich – wenn Sie CFD handeln, dann sollten Sie Ihre regelmäßigen Marktupdates immer im Blick behalten.

 

Hoffnung auf Zollabkommen
Das wichtigste Thema für die Aktionäre war einmal mehr der Zollstreit zwischen China und den USA. Laut einer Meldung des staatlichen chinesischen Fernsehsenders CCTV sollen neue direkte Gespräche zwischen den Chefunterhändlern der USA und von China Anfang Oktober im Rahmen des regelmäßigen strategischen Wirtschafts- und Handelsdialogs beider Länder in Washington stattfinden. Und noch wichtiger: Auf der Arbeitsebene sollen „bedeutende Fortschritte“ bereits Mitte September vorbereitet werden.

Das chinesische Handelsministerium bestätigte am Donnerstag, dass es Anfang Oktober ein Treffen geben soll, dies werde hochrangig besetzt sein. Die Entscheidung dazu sei in einem Telefonat zwischen dem chinesischen Vizepremier Liu He und dem amerikanischen Finanzminister Steven Mnuchin sowie dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer gefallen, erläuterte das Ministerium.

Im Gespräch mit dabei gewesen seien auch Handelsminister Zhong Shan, der Gouverneur der chinesischen Zentralbank, Yi Gang sowie Ning Jizhe, der stellvertretende Leiter der Nationalen Kommission für Entwicklung und Reform. Die Chinesen meinen es also offenbar ernst.

 

Asien überwiegend fester
Ergo griffen die Anleger in Asien zu. Außerdem hofften sie auf neue Stimuli in der Volksrepublik – gerade hat sich der ansonsten eher machtlose Staatsrat für den „zeitnahen“ Einsatz mehrerer Instrumente zur Konjunkturstützung ausgesprochen. Der Staatsrat ist die vollziehende Behörde des Nationalen Volkskongresses, das ist das aufgeblähte Scheinparlament, das einmal im Jahr tagen darf. Doch wenn die Apparatschiks das öffentlich verkünden dürfen, stecken die Pläne beim Führer Xi Jinping wohl schon fertig in der Schublade.

So zog der chinesische CSI-300 um 1 Prozent an auf 3.925 Stellen.

 

 

In Japan schloss der Leitindex Nikkei 225 mit kräftigen Gewinnen von 2,1 Prozent auf 21 085,94 Punkte. Aber: Der Hang Seng, der am Vortag um fast 4 Prozent geklettert war und den größten Tagesgewinn seit 2011 eingefahren hatte, rutschte um 0,9 Prozent auf 26.291 Zähler.

Denn trotz des Rückzuges des Auslieferungsgesetzes gingen die Demonstrationen erst einmal weiter.

 

Gewinne in New York
Die Anleger an der Wall Street hatten am Vorabend hoffnungsfroh auf die Kehrtwende in Hongkong reagiert: Regierungschefin Carrie Lam zog dort das Gesetz für Auslieferungen nach Rotchina zurück. Und das ist auch ein Thema in den Zollverhandlungen: Donald Trump hat eine „humane Haltung“ von Peking bezüglich der Situation in der Sonderverwaltungszone eingefordert.

Der Leitindex Dow Jones ging zur Schlussglocke 0,9 Prozent fester bei 26.355 Punkten und fast auf seinem Tageshoch aus dem Handel. Der S&P 500 legte sogar um 1,1 Prozent zu auf 2.938 Punkte.

Und der Nasdaq 100 gewann 1,4 Prozent auf 7.719 Stellen.

 

Das bringt der Tag
Der Terminkalender beinhaltet heute einige wichtige Events.

Los geht es mit den Zahlen von ADP zur Beschäftigung im August um 14.15 Uhr.
Um 14.30 Uhr folgen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung.
Weiter wird um 15.45 Uhr der Markit-Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen im August gemeldet.
Kurz danach läuft um 16.00 Uhr der Auftragseingang für die Industrie im Juli über die Ticker.
Zeitgleich wird der ISM-Index Dienstleistungen für August gemeldet.
Um 17.00 Uhr schließlich meldet die Energy Information Agency die Speichermengen an Rohöl.

 

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