Psycho-Krieg gegen Chinas Elite

Bernstein Bank: Im Zollstreit zwischen China und den USA droht eine Eskalation, die in einem offenen Handelskrieg enden kann. Washington will wohl mindestens fünf weitere chinesische Firmen aus dem Sicherheitssektor auf die Schwarze Liste setzen. Ein interessanter Schachzug der Amerikaner, der direkt auf das Sicherheitsbedürfnis der kommunistischen Führung zielt. Wir analysieren die Hintergründe und zeigen, welche Chancen sich für CFD-Trader bieten.

US-Angriff auf Big Brother China
Gerade erst hatten wir im Börsenbericht die Vermutung geäußert, dass die USA nach Huawei und Hangzhou Hikvision Digital Technology, dem weltweit größten Hersteller von Video-Überwachungssystemen, wohl noch weitere Firmen auf die Blacklist setzen werden. Kaum war unser Daily Report vom Mittwoch hochgeschaltet, da schlugen entsprechende News auf dem Markt ein.

Die USA prüfen derzeit tatsächlich, ob weitere chinesische Firmen von der Zusammenarbeit mit globalen Partnern geblockt werden. Das Finanzblog „ZeroHedge“ nannte die Namen: Megvii Technology entwickelt Technik für die Gesichtserkennung. iFlyTek arbeitet an Software zur Stimmerkennung. Und Meiya Pico fokussiert sich auf digitale Forensik und Cyber-Sicherheit.

Das Blog verwies auch auf Bloomberg – die Nachrichtenagentur nannte noch Zhejiang Dahua Technology, ebenfalls ein Anbieter von Technik zur Video-Überwachung.

Diese Aktien wurden an der Börse schon gebeutelt und sind wohl bis zur Lösung des Zollstreites Short-Kandidaten.

 

 

Polizeistaat im Visier
Die USA nehmen offenbar ganz gezielt den chinesischen Polizeistaat ins Visier. Das mögliche Kalkül dahinter: Wenn die Überwachungstechnologie nicht funktioniert, sobald die Wirtschaft im Handelskrieg mit den USA in die Rezession rutscht und das Volk murrt, dann wird es ungemütlich im maoistischen Führerbunker. Dass die alte Kommunisten-Garde das aufmüpfige Volk fürchtet, belegt die schiere Zahl der Überwachungskameras.

Insgesamt sollen 600 Millionen Stück in China stehen.

Den alten Kadern steckt noch die Erinnerung an das Tiananmen-Massaker vor dreißig Jahren in den Köpfen – die Demonstrationen für mehr Demokratie belegten, wie unberechenbar die Masse ist.

 

Nationaler Pathos
Dass die chinesische KP offenbar inzwischen mehr als nervös ist, unterstreichen die aktuell geschürten nationalistischen Ressentiments. Präsident Xi Jinping verglich die Probleme mit einem „neuen langen Marsch“ und verwies damit auf den Gründungsmythos des Landes. Seit kurzem zeigen staatliche Sender wieder anti-amerikanische Filme über den Korea-Krieg. Zudem kursiert in den sozialen Netzwerken gerade der „Trade War Song“, den sich ein ehemaliger Beamter ausgedacht hat.

Darin heißt es: „Handelskrieg, Handelskrieg! Zehntausende Chinesen teilen den bitteren Hass auf den Feind!“.

Das Liedchen basiert auf dem Soundtrack des Films „Tunnel War“ aus dem Jahr 1965, in dem Chinesen gegen den Einmarsch von japanischen Truppen im Zweiten Weltkrieg ankämpfen.

 

 

Die Strategie könnte aufgehen
Unser Fazit: Die USA haben mit der Security Branche einen wunden Punkt getroffen, denn sie ist die Lebensversicherung der Eliten. Wenn sich Peking auch noch sträubt, könnte China zum Einlenken gezwungen werden. Zumal auch die USA schon damit begonnen haben, chinesische Güter zu substituieren. Wie eine Analyse der Deutschen Bank zeigt, sind etwa seit Jahresanfang bis März die Importe aus dem Rest der Welt um rund 15 Milliarden Dollar angestiegen, während die Einfuhren aus China um etwa 15 Milliarden Dollar sanken.

Wer also glaubt, dass China nachgeben muss, sollte sich an der Wall Street im Bullen-Lager positionieren – bei einer Lösung im Zollstreit wird die Börse kräftig haussieren.

 

Die Führung braucht den schwachen Yuan
Bis es aber dazu kommt, ist Peking dazu verdammt, den Wohlstand der heimischen Bevölkerung unter allen Umständen zu wahren. Das Mittel der Wahl könnte die Abwertung des Yuan werden, um Exporte zu verbilligen.

 

Gegenschlag bei Apple und Seltenen Erden?
Weiter darf die Staatsführung ihr Gesicht nicht verlieren, somit könnten Gegenmaßnahmen gegen die USA anstehen. Eine Möglichkeit bietet sich bei Seltenen Erden – der Großteil der US-Importe stammt aus China; das Land fördert aktuell zudem weltweit fast 40 Prozent dieser für die Hightech-Industrie wichtigen Metalle wie Lanthan, Neodym oder Yttrium.

Da ein Boykott heimische Branchen-Champions wie China Rare Earth Holdings in Turbulenzen bringen würde, dürften die Chinesen eher die Preise drastisch erhöhen. Wenn die Amerikaner nicht auf andere Lieferanten ausweichen können, würden chinesische Konzerne an der Börse wohl zulegen, weil der Umsatz steigt.

 

 

Ein weiteres Ziel für den chinesischen Zorn ist schon jetzt Apple. In China läuft gerade eine Boykott-Kampagne – weg vom iPhone, hin zum Huawei-Smartphone. Nicht auszuschließen, dass Peking auch ganz offiziell beim Komponenten-Zulieferer Foxconn die Schrauben anzieht und etwa die Belieferung stoppt. Mit entsprechenden Folgen für Absatz und Börsenkurs von Apple. Sie sehen: Die Politik bietet CFD-Tradern interessante Investment-Möglichkeiten. Wir sind gespannt auf die nächsten Schritte im Handelsstreit.

 

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