Steigende Kurse in Frankfurt – China will es wissen

Bernstein Bank: Verkehrte Welt an der deutschen Börse: Trotz einer neuen, offensiven Forderungen aus China im Zollstreit greifen die Anleger zu.

Einige Broker verwiesen auf starke Daten aus dem Reich der Mitte.

Der DAX zieht an
Die Anleger in Frankfurt waren am Montagmorgen optimistisch gestimmt – der DAX stieg um 0,7 Prozent auf 13.325 Zähler. Der Blick zurück fällt überwiegend freundlich aus: Trotz der anhaltenden Seitwärtsrange hat der DAX im November immerhin 2,9 Prozent zugelegt. Eine freudige Rendite, wenn Sie online Aktien handeln. Und eher eine geringe Ausbeute, wenn Sie CFD handeln.

Übrigens schaffte der deutsche Börsenindikator im November das dritte Monatsplus in Folge.

 

China will es wissen
Interessanterweise hakte der weltweite Handel am Montagvormittag eine Meldung aus Peking mit einem Schulterzucken ab, die eigentlich nach einem echten Stopper im Zollstreit aussieht. Denn laut der zur Kommunistischen Partei gehörenden „Global Times“ fordert China nun die Rücknahme der bestehenden Zölle zur Beilegung des Handelsstreits mit den USA. Allein eine Zusage der Amerikaner, auf neue Zölle zu verzichten, die für Mitte Dezember geplant seien, reiche nicht aus.

Damit haben die Chinesen offiziell das News-Embargo rund um die Verhandlungen gebrochen und öffentlich verkündet, was sie wollen.

Da dennoch die Futures auf S&P 500 und Dow Jones am Morgen um 0,4 Prozent stiegen, lässt dies nur drei Interpretationen zu. Entweder der Markt glaubt dem mitunter recht vollmundigen Hardliner- Blatt nicht. Und die Hoffnung ist nicht gestorben, beispielsweise, weil es noch immer keine echten Gegenmaßnahme aus Peking nach den Pro-Demokratie-Gesetzen in den USA in Bezug auf Hongkong gibt. So hat das chinesische Außenministerium das Anlegen von US-Kriegsschiffen in Hongkong untersagt und Strafen gegen amerikanische Hilfsorganisationen verhängt.

Die Handelsgespräche sind aber nicht betroffen.

Oder die Broker gehen davon aus, dass US-Präsident Donald Trump nachgibt, um die Börse nicht vor der US-Wahl in Turbulenzen zu stürzen.

Oder aber einige Anleger wissen schon wieder mehr.

Warten wir es ab.

 

 

Gewinne in Asien
Die Asienbörsen zogen an. Wobei das unerwartet kräftige Plus der chinesischen Industrie die Anleger erfreute. So kletterte der Caixin/Markit-Index auf 51,8 Punkte, im Oktober hatte er noch 51,7 erreicht. Der CSI-300 hielt sich 0,1 Prozent im Plus bei 3.833 Zählern. Der Nikkei schloss sogar 1 Prozent höher bei 23.530 Punkten.

Für Rückenwind sorgte der etwas schwächere Yen.

 

Keine Rabattjagd an der Wall Street
Am Freitag waren nur wenige US-Anleger auf Schnäppchenjagd gewesen. Im verkürzten Handel nach Thanksgiving hatten sich viele US-Broker vorsichtig wegen des Zollstreits gezeigt. Auf dem Parkett warteten viele, ob Peking vielleicht am Weekend doch Gegenmaßnahmen auf die Unterzeichnung der Pro-Hongkong-Gesetze durch US-Präsident Donald Trump verkünden werde.

Der Dow Jones Industrial gab 0,4 Prozent nach auf 28.051 Zähler. Im November hatte der Dow eine Rendite von 3,7 Prozent erzielt. Der S&P 500 verlor am Freitag ebenfalls 0,4 Prozent auf 3.141 Stellen. Seine November-Bilanz liegt bei plus 3,4 Prozent. Der Nasdaq 100 gab zum Wochenschluss 0,5 Prozent nach auf 8.404 Punkte.

Zuvor hatten die Indizes vier Tage in Folge im Plus geschlossen und nebenbei auch gleich neue Allzeithochs markiert.

 

Nach Black Friday lauern die Bären
Bleibt ein Blick auf den Shopping-Wahnsinn am Black Friday und am heutigen Cyber Montag – beide Tage gelten als wichtige Gradmesser für das Weihnachtsgeschäft. Wie das „Wall Street Journal“ gerade meldete, bereiten sich die Bären auf ein Fressfest vor. Die Short-Seller hätten die Wetten gegen die Brick-and-Mortar-Retailers erhöht, das sind die Händler, die vor allem in Geschäften und nicht online ihre Waren verkaufen.

So hätten laut der Finanzdaten-Firma S3 Partners die Short-Positionen auf den SPDR S&P Retail in der vergangenen Woche 441 Prozent der verfügbaren Fondsanteile ausgemacht.

Wir sind gespannt, ob die erwartete Baisse eintritt oder nicht.

 

 

Dissens in der OPEC
Auch im Energiemarkt wächst die Spannung – in dieser Woche berät die OPEC über Förderkürzungen. Das Kartell und seine Alliierten treffen sich am 5. und 6. Dezember in Wien. Die gerade eingetroffenen Signale sind eher bearish. So meldete Bloomberg unter Berufung auf Insider, Saudi Arabien verliere allmählich die Geduld mit den Tricksern und sei vielleicht nicht länger bereit, seine Förderung zu senken, weil andere Länder ihre Quoten überziehen. Zudem plädierte Russland für mehr Geduld bei einer Entscheidung über die weitere Förderpolitik.

Für Verhandlungen über dieses Thema sei es noch zu früh, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak am Freitag laut der Nachrichtenagentur Tass.

Immerhin laufe die aktuelle Vereinbarung über Ölfördermengen noch bis Ende März.

 

Das bringt der Tag
Der Terminkalender bringt einige interessante Events. Spannend wird es um 15.00 Uhr für Euro und Staatsanleihen. Dann liefert die neue EZB-Chefin Christine Lagarde bei der Econ-Anhörung des Europäischen Parlaments eine Erklärung ab.
Zeitgleich läuft der EZB-Monatsbericht für November ein.

Um 15.45 Uhr läuft in den USA der ISM-Einkaufsmanagerindex Industrie im November über die Ticker.

Und um 16.00 Uhr laufen die Bauausgaben im Oktober ein.

 

 

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