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Interview mit Rolf Morrien: Depot-Optimierer – Gewinne in jeder Börsenlage

Interview mit Rolf Morrien: Depot-Optimierer - Gewinne in jeder Börsenlage

Broker-Test.de im Interview mit Rolf Morrien, Chefredakteur „Der Depot-Optimierer“, über Gewinne in jeder Börsenlage, das Potential deutscher Nebenwerte, die Stärke eines ausgewogenen Depots sowie einen Ausblick auf die nächsten 12 Monate.

Seit wann gibt es den Depot-Optimierer?

Rolf Morrien: Der Depot-Optimierer wurde im Jahr 2002 gegründet und feiert im nächsten Jahr das 10-jährige Jubiläum. Für einen Börsendienst ist das schon ein recht stolzes Alter. Speziell bei der Geldanlage sind Kontinuität und Berechenbarkeit sehr wichtig.

Warum haben Sie den Depot-Optimierer ausgerechnet im Crash-Jahr 2002 gestartet?

Rolf Morrien: Wir haben den Depot-Optimierer im Crash-Jahr 2002 gegründet, weil es damals fast nur reine Aktien-Dienste gab. Wenn aber selbst die Kurse von Top-Aktie fast täglich fallen, macht es keinen Sinn, nur auf Aktien zu setzen. Wir haben daher ein breiteres Anlagekonzept gewählt und Gold, Discount-Zertifikate, Put-Optionsscheine und Anleihen und ausgewählte Nebenwerte-Aktien als zusätzliche Depot-Bausteine empfohlen. Es gibt in jeder Marktphase Anlageklassen, die im Wert steigen.

Wie hat sich der Börsendienst in den vergangenen Jahren entwickelt?

Rolf Morrien: Technisch hat sich viel verändert. Gestartet sind wir als reiner Print-Dienst, der klassisch per Post verschickt wird. Diesen Service bieten wir natürlich auch heute noch an. Zusätzlich nutzen wir die Vorteile des Internets. Nur wenige Minuten nach Redaktionsschluss wird die neue Ausgabe automatisch per E-Mail an alle Leser geschickt. Wer etwas mehr Zeit und Muße bei der Lektüre hat, bekommt dann am Freitag die gedruckte Ausgabe per Post.

Neu sind auch die interaktiven Möglichkeiten. So führen wir im Internet jede Woche eine Chat-Diskussion mit den Lesern. Diese Kombination aus einem klassischen Print-Börsendienst und moderner Technik hat dazu geführt, dass wir alle Börsenstürme gut überstanden haben und die Leserzahl deutlich steigern konnten.

Was zeichnet den Depot-Optimierer aus?

Rolf Morrien: Was uns auszeichnet ist die Kontinuität. Wir springen nicht auf jeden Modetrend auf. Wir empfehlen keine Nanotech- oder Seltene-Erde-Aktie nur weil das „nette Geschichten“ sind. Die fundamentalen Daten müssen stimmen. Oft sind die scheinbar langweiligen Aktien die besten Rendite-Bringer.

Die BayWa-Aktie befindet sich seit der Gründung des Depot-Optimierers im Jahr 2002 ohne Unterbrechung auf unserer Empfehlungsliste und liegt inklusive Dividenden über 600% im Plus. Eine Fuchs Petrolub ist seit 2003 bei uns im Depot „Stammgast“ und hat unseren Lesern fast 800% Gewinn gebracht. Aktien wie Hermle, Georg Fischer oder Mayr-Melnhof sind ebenfalls seit 2003 dabei. Warum sollten wir diese Cash-Maschinen auch verkaufen?

Bei uns gibt es keine Alibi-Depot-Umschichtungen, nur um künstlich Aktivität zu erzeugen. Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht offen sind für neue Anlage-Chancen. Der Online-Reifenhändler Delticom verfügt über ein starkes Geschäftsmodell, eine solide Bilanz und ein gutes Management. Solche Aufsteiger sind fast schon „Pflicht-Werte“. Auch Unternehmen wie Eckert & Ziegler, Mühlbauer und SMT Scharf haben uns in jüngster Zeit überzeugt.

Wo liegen die Schwerpunkte?

Rolf Morrien: Wir bieten unseren Lesern die Möglichkeit, mit einem einzigen Börsendienst das gesamte Depot abzudecken. Daher haben wir im Depot-Optimierer – neben den reinen Aktien-Empfehlungen – auch Rubriken wie Wachstumsmärkte, Immobilien, Energie, Rohstoffe, Edelmetalle, Hebel-Instrumente, Zins-Empfehlungen und Vermögensaufbau. Seit 2010 veröffentlichen wir auch regelmäßig Steuer-Tipps für Privatanleger.

Circa ein Drittel Ihrer Aktien-Empfehlungen kommen aus dem Nebenwerte-Segment, speziell dem deutschen Mittelstand. Welche Gründe sprechen dafür?

Rolf Morrien: Unser Redaktionsgrundsatz lautet: Heimische Märkte, die wir vor Ort kontrollieren können, also die DACH-Staaten Deutschland, Österreich und die Schweiz, decken wir mit Einzel-Aktien ab; schwer kontrollierbare Märkte wie China, Indien, Osteuropa oder Lateinamerika dagegen mit Fonds- oder Zertifikatelösungen.

Die höchsten Renditen lassen sich, das zeigt die Erfahrung, mit Einzelwerten machen. Die Beispiele Baywa und Fuchs Petrolub habe ich bereits genannt. Speziell die Unternehmen, die mehrheitlich noch in Familienhand liegen, gehen viel verantwortungsbewusster mit dem Thema Schulden um. Der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub hat innerhalb von nicht einmal 10 Jahren den ehemals hohen Schuldenberg vollständig abgetragen. Und diese strategische Entscheidung wurde getroffen, bevor die Kredit- und Schuldenkrise ausgebrochen ist. Der familiengeführte Maschinenbauer Hermle verzichtet sogar ganz auf Bankkredite. Schauen Sie sich die Kursentwicklung von Fuchs und Hermle an: Die Börse belohnt solides wirtschaften.

Seit seiner Gründung musste der Depot-Optimierer schon einige Krisen überstehen, egal ob Immobilien-, Finanz- oder Eurokrise. Wie reagieren Sie auf diese negativen Einflüsse am Finanzmarkt?

Rolf Morrien: Da der Depot-Optimierer ein „Kind der Crash-Phase“ ist – gegründet im Krisenjahr 2002 – mischen wir grundsätzlich verschiedene Anlageklassen. Wenn die Aktienmärkte schwächeln, laufen oft die Edelmetall- oder Anleihenmärkte gut. In Seitwärtsphasen setzen wir verstärkt auf Discount-Zertifikate. Natürlich kann man auch mit dieser Strategie Schock-Phasen wie nach der Lehman-Pleite nicht völlig unbeschadet überstehen, aber wer dann schnell Liquidität braucht, kann Krisen-Gewinner wie Gold verkaufen und 2 bis 3 Jahre warten, bis sich die Aktienmärkte wieder erholt haben.

Wichtig ist bei der Depot-Optimierung, dass man nicht von einer einzelnen Anlageklasse abhängig ist. Ich persönlich bin seit 20 Jahren mit Leib und Seele Aktionär, aber Gold, Silber, Anleihen und eine Cash-Reserve dürfen im Depot nicht fehlen.

Nach den Tiefstständen im März 2009 haben sich DAX, MDAX und SDAX schon wieder verdoppelt. Was denken Sie, wie die Entwicklung in den nächsten 12 Monaten aussehen wird?

Rolf Morrien: Ohne externe Schocks (zum Beispiel ein blutiger Bürgerkrieg in Saudi-Arabien) wird der DAX auf Sicht von 12 Monaten die Marke von 8.000 Punkten knacken. Das niedrige Bewertungsniveau und die Liquidität würden theoretisch sogar einen DAX-Anstieg um 30% rechtfertigen.

Aufpassen müssen wir auf das Thema Inflation. Im Euro-Raum ist die Inflationsrate innerhalb von Monaten von 0,8 auf 2,4% gesprungen. Noch so ein Sprung und wir werden eine massive Flucht in Sachwerte erleben. Die ersten Anzeichen gibt es jetzt bereits. Auch ausgewählte Aktien können davon profitieren.

Wer die maximalen Renditen erreichen will, muss sich weiterhin im Nebenwerte-Bereich umschauen. Dort finden Anleger die höchsten Umsatz- und Gewinnsteigerungen. Bei den Midcaps erwarten wir eine Übernahmewelle. Der halbe MDAX steht zum Verkauf. Denken Sie nur an Hochtief, Tognum, Stada, Boss, Demag, Gildemeister, Klöckner, Lanxess, Pro Sieben, Puma SGL Carbon, Symrise… Dort spielt die Musik. Eine traumhafte Ausgangslage für „Stockpicker“.

Trotz der guten Entwicklung der Aktienmärkte in den letzten 24 Monaten, sind viele Anleger verunsichert und zum Teil immer noch nicht an die Börse zurückgekehrt. Was raten Sie diesen Anlegern?

Rolf Morrien: Die Deutschen schwören noch auf Lebensversicherungen. Laut Statistik besitzt jeder volljährige Deutsche im Durchschnitt 2 Lebensversicherungen. Im Portfolio dieser Lebensversicherungen werden Zinspapiere mit dem Schwerpunkt Staatsanleihen oft mit rund 90% gewichtet. Die Frage, die sich jeder Anleger stellen muss, lautet daher: Will ich zu 90% in Anleihen investiert sein? Sind Staatsanleihen angesichts der staatlichen Schuldenorgien und der Inflations-Risiken tatsächlich sicherer und renditestärker als Aktien wie Nestle, BASF oder Fuchs Petrolub?

Eine Antwort gibt der weltgrößte Anleiheninvestor Pimco. Laut Financial Times hat Pimco Ende Februar alle US-Staatsanleihen verkauft. Gleichzeit baut Pimco den Bereich Aktien-Fonds neu auf. Wenn Pimco mit dem „Bond-König“ Bill Gross an der Spitze Anleihen verkauft und zum ersten Mal überhaupt Aktien kauft, weiß man, dass es 5 vor 12 Uhr ist. Aus meiner Sicht sind Aktien trotz aller Schwankungen ein wichtiger Baustein beim Vermögensaufbau.

Vielen Dank für das Gespräch

Weitere Informationen zu Nebenwerte:

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