Aktie der Woche: Marine Harvest – Weltmarktführer fischt weiter nach Profiten

LYNX Broker: Als Aktie der Woche werfen wir einen Blick auf den Konzern Marine Harvest. Marine Harvest ist ein norwegischer Nahrungsmittelkonzern und eigenen Angaben zufolge eines der weltweit größten Unternehmen im Bereich Fisch und Meeresfrüchte. Die Heimatbörse der Aktie ist die Oslo Stock Exchange und das Wertpapier wird entsprechend in Norwegischen Kronen (NOK) gehandelt. Daneben ist sie zum Beispiel an der FWB und via Xetra in Euro sowie an der NYSE in US-Dollar handelbar. Im Bereich Zuchtlachs ist Marine Harvest der weltgrößte Produzent.

 

Der Konzern bedient mit seinem Top-Produkt, dem Atlantik-Lachs (Atlantic Salmon), rund ein Fünftel der globalen Nachfrage. Marine Harvest ist in 23 Ländern vertreten und erreichte 2015 einen Jahresumsatz von rund 28 Mrd. NOK, was aktuellen Wechselkurs rund 3,004 Mrd. Euro entspricht. Das Unternehmen hat seinen Sitz im norwegischen Bergen, wird von dem CEO Alf-Helge Aaarskog geleitet und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Ole Eirik Lerøy kontrolliert.

 

Produktvertrieb in über 70 Ländern

Die Geschichte des Konzerns geht bis in das Jahr 1965 zurück. Neben der Produktion von Zuchtlachs ist Marine Harvest auch im Bereich Futtermittel für die Lachszucht tätig und verfügt über ein globales Vertriebsnetz im Bereich Verbraucherprodukte. Die Produkte von Marine Harvest werden in sechs Ländern produziert (Norwegen, Schottland, Kanada, Chile, Irland und Färöer) und in über 70 Ländern vertrieben. Nur ein Beispiel: Norwegischer Fisch schafft es bis auf den Markt von Lagos in Nigeria. Der wichtigste Absatzmarkt für Marine Harvest ist aber die EU mit einem Umsatz von 2,6 Mrd. Euro.

 

Unwägbarkeiten gibt es auch bei der Lachszucht
Im Jahr 2016 kletterten die Preise für Lachs auf ein 30-Jahres-Hoch – das erfreut die Konzernlenker von Marine Harvest mit Sicherheit, die definitiv höhere Margen für sich verbuchen können. Der Konsument muss für seine Lachsprodukte tiefer in die Tasche greifen. Wie beim Anbau von Agrarrohstoffen gibt es auch bei der Lachszucht Unwägbarkeiten, die positive und negative Einflüsse auf die jeweiligen Beteiligten haben. Wer Zitrusfrüchte anbaut, muss zum Beispiel mit Ernteausfällen durch Pilze oder plötzlichen Kälteeinbruch rechnen.

 

Wer Kartoffeln anbaut, der kann davon ausgehen, dass eine Ernte bei anhaltendem starkem Regen auf den Feldern verfault. Wer Fischzucht betreibt, muss unter anderem Parasiten des Meeres von der Zucht fernhalten. Dies funktionierte jüngst nicht so recht. Die Seelaus drückte zum Beispiel die Produktion von Zuchtlachs und die Preise stiegen. Heutzutage stammen rund 70 Prozent der im Handel zu erwerbenden Lachse und Lachs-Produkte aus den globalen Zuchtbetrieben. Führend in der Produktion von Zuchtlachs sind Norwegen, Chile, Schottland und Kanada. Gezüchtet wird zumeist Atlantik-Lachs.

 

Konsum steigt weltweit
Die globale Nachfrage nach Fischprodukten ist in den letzten 15 Jahren deutlich angestiegen, sie hat sich von 15 kg auf 17,5 kg pro Kopf und Jahr gesteigert. Das bedeutet einen Fischverzehr von durchschnittlich 336 Gramm pro Woche. Die Weltbevölkerung wird weiter wachsen, folglich auch der Fischkonsum. Gemäß Weltbank, FAO (The State of World Fisheries and Aquaculture) und OECD wird der Konsum in den Jahren 2015 bis 2024 auf allen Kontinenten zulegen. Lachs hat übrigens nur einen Weltmarktanteil von 4,3 Prozent auf Basis der 2014er-Daten der FAO. Blickt man auf andere Fisch- und Meeresfrüchte, so ist das weltweite Potenzial in der Aquakultur in Bezug auf Zuchtlachs weiterhin sehr groß. Im Vergleich zu Muscheln, Tilapia, Seegras, Austern, Shrimps und vielen weiteren Produkten ist das Potenzial für Zuchtlachs in Relation zum allgemeinen Marktrisiko als höher einzustufen.

 

2,2 Millionen Tonnen Zuchtlachs
Im Jahr 2015 wurden auf dem Weltmarkt 2,2 Millionen Tonnen Zuchtlachs abgesetzt. Das Angebot für Zuchtlachs hat seit 1995 um rund 420 Prozent zugelegt. In den Jahren bis 2020 gehen Experten von einer jährlichen Steigerung von drei Prozent aus. Die mengenmäßig größten Anbieter sind Norwegen, Island und die Färöer Inseln mit zusammen 1,184 Millionen Tonnen. Die Preisentwicklung seit dem Jahr 2000 spricht Bände, denn wurden pro Kilo im Jahr 2000 noch 30 NOK aufgerufen, waren es 2015 bereits rund 60 NOK. Im Durchschnitt hat ein Zuchtlachs ein Gewicht von 4,5 kg. Der Produktionszyklus vom Ei zum fertigen Fisch beträgt zwischen 24 und 36 Monaten.

 

Marine Harvest an der Weltspitze
Marine Harvest gehört zu den Global Playern in der Lachszucht. In Norwegen steht man auf Patz 1, ebenso in Großbritannien und in Nordamerika und Chile behauptet man sich auf Platz 2. Während man in Norwegen 2015 254.800 Tonnen Zuchtlachs produzierte, waren es in Großbritannien 50.100 Tonnen, in Nordamerika 40.100 Tonnen und in Chile 62.500 Tonnen. Das sind zusammengerechnet 407.500 Tonnen durch Marine Harvest (von insgesamt 2,2 Millionen Tonnen Weltmarktkapazität) und das ist die Weltspitze. Allein 306.810 Tonnen davon werden in der EU für Räucherlachs verwendet (25 Prozent dieser Menge entfallen auf Deutschland als Abnehmer Nummer Eins, gefolgt von Frankreich mit 21 Prozent).

 

Breite Aktionärsstruktur
Marine Harvest hat rund 18.000 Aktionäre. Die fünf größten sind Geveran Trading mit 16,47 Prozent, Folketrygdfondet mit 7,91 Prozent, Clearstream Banking mit 4,80 Prozent, State Street Bank & Trust mit 2,39 Prozent und die Citibank mit 1,96 Prozent – insgesamt vereinen die Top-20-Anteilseigner 50,88 Prozent der Aktien auf sich. 450.085.652 Aktien sind ausstehend (Stand vom 11.07.2016). An der Heimatbörse in Oslo notiert die Aktie natürlich in Norwegischen Kronen (NOK) und seit 2014 können Investoren Marine-Harvest-Aktien mithilfe eines ADR-Programms auch an der NYSE in US-Dollar erwerben.

 

An der Frankfurter Wertpapierbörse und via Xetra wird die Aktie in Euro gehandelt. Im Xetra-Handel steht das 52-Wochen-Hoch bei 15,905 Euro und das Tief bei 9,522 Euro. Die Aktie ging zum Zeitpunkt der Analyse mit einem Kurs von 15,79 Euro aus dem Xetra-Handel. Damit liegt die Marktkapitalisierung bei 7,11 Mrd. Euro. Marine Harvest hat drei ausstehende Anleihen zu 340 Mio. Euro (fällig am 05.11.2020), 375 Mio. Euro (fällig am 06.05.2019) und 1.250 Mrd. NOK (fällig am 12.03.2018) an den Kapitalmärkten zu bedienen.

 

Analysten sehen noch Potenzial
Insgesamt sind aktuell 16 Analysen zur Marine-Harvest-Namensaktie (Navne-Aksjer) NK 7,50 verfügbar. Darunter sind zehn Kaufempfehlungen, zwei Analysten vergaben das Votum "übergewichten/overweight", drei versahen das Papier mit dem Votum "halten/hold" und einer setzte das Papier auf „verkaufen/sell“. Das Durchschnittskursziel liegt bei 158,19 NOK, was derzeit 16,97 Euro entspricht.

 

Fundamentaldaten zur Aktie von Marine Harvest
Bilanziert wird bei Marine Harvest zum 31.12. gemäß IFRS in Norwegischen Kronen (NOK). Zum Zeitpunkt der Analyse notiert der Euro zur Norwegische Krone mit einem Wechselkurs von rund 9,32 NOK. Für das Geschäftsjahr 2015 wies der Konzern Umsatzerlöse in Höhe von 27,9 Mrd. NOK aus (2014 standen 25,5 Mrd. NOK in den Büchern, 2013 19,2 Mrd. NOK, 2012 15,5 Mrd. NOK und 2011 16,1 Mrd. NOK). Die Umsatzsteigerung um mehr als 10 Mrd. NOK innerhalb von fünf Jahren ist enorm. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit lag für 2015 bei 2,2 Mrd. NOK, das Beteiligungsergebnis bei 209,70 Mio. NOK. Als Jahresüberschuss wurden 1,4 Mrd. NOK ausgewiesen. Das Nettoergebnis je Aktie betrug 0,342 NOK. Für 2015 steht bei Marine Harvest eine Ausschüttung in Höhe von 2,3 Mrd. NOK in den Büchern – das entspricht einer Dividende von 5,20 NOK je Aktie zuzüglich einer Sonderdividende von 1,40 NOK je Aktie.

Im Geschäftsjahr 2015 beschäftigte das Unternehmen gemäß Bilanz 12.454 Mitarbeiter. Der Konzern wies liquide Mittel in Höhe von 577,00 Mio. NOK aus. Das wirtschaftliche Eigenkapital ist mit 18,2 Mrd. NOK angesetzt, das gezeichnete Kapital liegt bei 3,4 Mrd. NOK, die Verbindlichkeiten werden mit 22,1 Mrd. NOK ausgewiesen. Die Bilanzsumme lag bei 40,3 Mrd. NOK. Die Eigenkapitalquote betrug rund 45,2 Prozent. In den Bilanzprognosen für 2016 und 2017 werden Umsätze in Höhe von 32,14 und 33,85 Mrd. NOK angeführt. Das EBIT soll 2016 6,38 Mrd. NOK betragen und 2017 sollen es 7,41 Mrd. NOK sein. Der Gewinn je Aktie könnte 2016 demnach bei 10,46 NOK liegen und sich 2017 auf 12,22 NOK steigern.

 

Die Dividende soll sich 2016 auf 7,97 NOK je Aktie steigern lassen und für 2017 nochmals auf 8,99 NOK anziehen. Der Cashflow je Aktie läge 2016 bei 13,28 NOK und 2017 bei 13,91 NOK. Das Nettovermögen je Aktie soll 2016 bei 42,60 NOK liegen und 2017 auf 46,57 NOK anziehen. Die Nettoverschuldung des Unternehmens könnte 2016 bei 8,07 Mrd. NOK liegen und sich 2017 auf 7,72 Mrd. NOK leicht reduzieren. Am 18.08.2016 wird der Bericht für das zweite Quartal publiziert, der für das dritte Quartal wird am 02.11.2016 veröffentlicht.

 

Chartanalyse der Marine Harvest Aktie (in EUR)

In den vergangenen vier Handelsjahren hat sich die Aktie von Marine Harvest sehr gut entwickelt. Von rund 6,00 Euro konnte sie auf knapp 16,00 Euro steigen. Bis auf einen kleinen Ausrutscher im September 2015 sind aus charttechnischer Sicht sauber steigende Hochs und Tiefs zu beobachten. Ausbruchsstrategien wie auch Käufe nach leichten Konsolidierungen hatten beiderseits gute Chancen auf interessante Gewinne. Es sind kaum nennenswerte Volatilitätsausbrüche zu verzeichnen, was ein generelles Stop-Management recht gut umsetzbar machte.

 

Auch in der kommenden Zeit sollte mehr auf die Aufwärtsseite geschaut werden. Eine Weiterführung des seit mehreren Jahren vorherrschenden Aufwärtstrends ist recht wahrscheinlich. Als nächstes realistisches Ziel könnte die Marke von 17,00 Euro angenommen werden. Erst ein Unterschreiten der Unterstützung von aktuell 13,25 Euro wäre für das saubere charttechnische Bild etwas kontraproduktiv und eine erneute Analyse müsste durchgeführt werden.

 

Chart

 

 

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