Vom Musterschüler zum Nachzügler – Deutsche Industrieproduktionszahlen im europäischen Vergleich

DWS: Die deutsche Industrieproduktion zeigte sich in den letzten Monaten vergleichsweise schwach, wie unser Chart der Woche deutlich macht. Für den gesamten Euroraum scheint die Industrieproduktion noch weitestgehend solide zu sein. Italien, das lange hinterherhinkte, schneidet im Vergleich dazu sogar recht gut ab.

Selbst das Vereinigte Königreich hat in letzter Zeit bessere Industrieproduktionszahlen vorgelegt als Deutschland. Allerdings beinhalten diese noch nicht die Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen im laufenden Brexit-Streit.

Schließlich versuchte Premierminister Boris Johnson erst Ende August das Parlament auszusetzen (oder zu “vertagen”). Die Zwangspause wurde dann im September vom Obersten Gerichtshof des Vereinigten Königreichs wieder aufgehoben.

In der Zwischenzeit verabschiedete das Parlament ein Gesetz, das darauf abzielt, eine Verlängerung der Rücktrittsfrist zu gewährleisten. Es sei denn, das Parlament stimmt einem Rücktrittsvertrag bis zum 19. Oktober zu oder ringt sich dazu durch, auch einem Austritt aus der Europäischen Union ohne Abkommen seinen Segen zu geben.

 

 

Ähnlich wie beim Handelskonflikt hat Deutschland als Europas führender Exporteur den Großteil der Brexit-Effekte zu spüren bekommen. Die starke Exportabhängigkeit Deutschlands könnte im Umkehrschluss aber auch ein Vorteil sein, falls sich die politischen Rahmenbedingungen für den Handel und den Brexit in den kommenden Wochen verbessern sollten. Das gilt umso mehr, als  sowohl die Erwartungen als auch die Wirtschaftszahlen bereits ziemlich schlecht sind.

Die Zahlen der deutschen Industrieproduktion vom Dienstag (noch nicht in der Grafik enthalten) deuten auf eine erste Stabilisierung der Gesamtzahlen hin. Die Produktion stieg im August um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat und die Daten für den Juli wurden von -0,6 auf -0,4 Prozent nach oben korrigiert.

Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe setzte jedoch ihren Rückgang fort, insbesondere in der Chemie und Pharmazie, die im Vergleich zum Vormonat mit -3 Prozent stark zurückging.

Die “gute Nachricht” ist, dass die ohnehin schon schwachen Vorjahreszahlen ab November 2019 im Jahresvergleich leichter zu erreichen oder zumindest annähernd zu erreichen sein sollten.

 

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