EUR/CHF: Der große Coup der SNB (Schweizer Nationalbank)

Wir schreiben Dienstag, den 06.09.2011 – kurz vor 08:00 Uhr CET notiert das Währungspaar EUR/CHF noch nahe der Marke von EUR/CHF 1,1000 mit 1,1018 im Tief. Schritt für Schritt schraubt man sich innerhalb der nächsten 90 Minuten um rund 200 Pips nach oben und pendelt um die Marken von EUR/CHF 1,1200 herum. Allein dies ist in diesem Marktgeschehen schon ein beachtlicher Schritt, da Risikoaversion an allen Orten des Marktes in diesen Tagen zu registrieren ist.

Knapp vor 10:00 Uhr CET kommt dann der Coup der SNB – die Schweizer National Bank kündigt den ultimativen Kampf gegen die fortwährende Frankenstärke an und packt laut "Reuters" die ganz große Keule der Interventionsmaßnahmen aus. Es wird ein Mindestkurs von EUR/CHF 1,2000 festgelegt. Dies bedeutet, dass die SNB massiv Euro kaufen wird, wenn der Euro gegenüber dem Schweizer Franken unter diese Marke fallen wird – koste es was es wolle! Seit geraumer Zeit versucht man den Spekulanten immer wieder das Handwerk zu legen – man hat aber außer horrenden Verlusten seitens der SNB nicht viel erreicht. Der Franken wertete stetig auf und setzte seinen Höhenflug bis zur Parität zur europäischen Gemeinschaftswährung ungehindert fort.

Jeder neue Schub der Euro-Schuldenkrise, aber auch der US-Schuldenkrise führte zu einer erneuten Flutung des Frankenraums mit gigantischen Zuflüssen, die den Franken pervers aufwerteten. Leidtragende sind die Schweizer Unternehmen, die Waren werden sündhaft teuer, der Tourismus wird abgewürgt und die Schweizer in Scharen ins umliegende Euro-Land getrieben, um dort "spottbillig" einzukaufen. Das führt zu einer Abwärtsspirale bei den Schweizer Verbraucherpreisen, weil sich die Schweizer Einzelhändler mit Preissenkungen zu wehren versuchen. Die neue große Sorge der SNB lautet plötzlich "Deflation". Das Deflationsgespenst geht nun um.

Seit Jahren keine Intervention dieser Größenordnung an den Devisenmärkten
Mit ihrer neuesten Intervention hat die SNB eine Interventionsmaßnahme präsentiert, die es seit vielen Jahren am Devisenmarkt in dieser Größe und Wucht nicht mehr gab. Ab 10:00 Uhr schnellte das Währungspaar EUR/CHF um beinahe 1.000 Pips nach oben. Bei EUR/CHF 1,2199 war dann vorerst das Ende der Fahnenstange erreicht. Schnell näherte man sich dann der Zielmarke von 1,2000 wieder – seit Stunden zieht EUR/CHF dort nun seine Wege.

Die ganze "Nummer" kann sich für die Schweizer aber auch als Bumerang entwickeln. Die enorme Ausweitung der Geldmenge führt geradeaus in die neue Misere namens "Inflation". Es bleibt fraglich, inwieweit die Schweizer weiter gewillt sein werden unbegrenzt Euro zu kaufen und sich immer und immer wieder etwaige Verluste in die Bücher zu holen, sollte der Frankenkurs erneut ansteigen.

Das Timing der SNB ist kritisch zu sehen und auch noch gleichzeitig als ein schneller "Panikschuss". Die nächsten Handelstage werden für den Euro nicht einfach – die wohl wichtigste Entscheidung für den Euro und die EU steht nämlich in Karlsruhe an. Insgesamt wird es spannend bleiben, inwieweit sich die SNB überhaupt in der Lage sieht gegen die Flut von Hedgefonds anzukommen. Das erinnert irgendwie an die Zeiten von George Soros gegen das britische Pfund. Damals hat das britische Pfund bzw. die Notenbank klar verloren – es sieht nach Wiederholungsgefahr aus! Empfehlung dennoch: Finger weg in dieser Zeit! Das Ende jeder Manipulation ist meist das Ende!

EUR/CHF im Tageschart EUR/CHF im Tageschart

Was sagt die Charttechnik zum Währungspaar EUR/CHF?
Am Dienstag, den 06.09.2011, pendelte das Währungspaar EUR/CHF mit einer gigantischen Handelsspanne von 1.181 Pips. Zum Zeitpunkt der Chartanalyse (16:02Uhr) lag der Wechselkurs bei 1,2026. EUR/CHF generiert im Tageschart Unterstützungen bei 1,0444, 0,9293 und 0,8586 sowie Widerstände bei 1,2362, 1,3128 und 1,4279. Mit einem RSI von 61,4339 Punkten handelt das Devisenpaar EUR/CHF im neutralen Bereich und dies auf Basis des Tagescharts – trotz der erheblichen Intervention! Anhand der Pivotpunkte erkennt man die Auswirkungen der Intervention. Die Charttechnik ist hier nur noch von untergeordneter Rolle. Die Nationalbank hält vorerst das Zepter in der Hand!

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